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Persönlichkeit: Wächst unser Charakter mit uns mit?

Ist man mit 66 Jahren immer noch derselbe Mensch wie mit 16? Diese Frage untersuchten Wissen­schaftler um Rodica Damian von der University of Houston in einer Längsschnittstudie. Ihre Antwort lautet: ja und nein.

Psychologen zufolge bilden fünf Eigenschaften gemeinsam die zentralen Dimensionen der Per­sönlichkeit: Neurotizismus (emotionale Labilität), ­Extra­version, Offenheit für neue Erfahrungen, Gewissen­­haftigkeit und Verträglichkeit. Auf individueller Ebene untersuchten die Forscher, ob eine Eigenschaft bei ein und derselben Person mit der Zeit stärker oder schwächer wurde. Des Weiteren erfassten sie Veränderungen im Verhältnis zu anderen Menschen. Anders gesagt: Wenn ein Jugendlicher im Vergleich zu seinen Altersgenossen überdurchschnittlich verträglich war, lag er dann als Senior immer noch über dem Mittelwert?

Wie sich zeigte, hat die Persönlichkeit eine stabile und eine veränderliche Komponente. »Im Mittel wird man mit dem Alter gewissenhafter, emotional stabiler und verträglicher«, berichtet die Psychologin Damian. »Die Menschen werden reifer.«

Aber weil sich die gesamte Verteilung mit dem Alter verschiebe, bleibe die Position relativ zur Altersgruppe bei den meisten ziemlich konstant. »Personen, die mit 16 Jahren gewissenhafter sind als ihre Mitmenschen, sind wahrscheinlich auch mit 66 immer noch gewissenhafter als Gleichaltrige.« Sofern wir uns also nur mit unserem alten Selbst und nicht mit anderen vergleichen, geht es für die meisten mit dem Alter aufwärts.

11/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 11/2018

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  • Quelle
J. Pers. Soc. Psychol. 10.1037/pspp0000210, 2018