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Sprache: Wann Worte weise wirken

Wer um das Warum seines Lebens weiß, kann nahezu jedes Wie ertragen.« Solche Sätze regen zum Nachdenken an. Ist es das, was einen weisen Gedanken ausmacht? Die Antwort auf diese Frage ergründeten vier Psychologinnen von der Southern State University in New Haven. Im Rahmen von Universitätsveranstaltungen baten sie Psychologiestudierende, nach weisen Zitaten zu suchen. An­schließend begutachteten Probanden die zusammen­getragenen 157 Sprüche: Wie viel Weisheit steckte in ihnen, wie viel Lebenserfahrung, Rückschau, Offenheit, Emotion und Humor?

Besonders weise erschienen Lesern vor allem jene Zitate, die auf Lebenserfahrung und Rückschau schließen ließen. »Wir verbinden Weisheit häufig mit dem Alter«, erläutern Melanie DeFrank und ihre Kolleginnen. Vor allem im Rückblick auf die besten und die schrecklichsten Momente könne der Mensch in seinem Leben einen Sinn erkennen. Als weniger wichtig erwies es sich, ob die Texte Humor oder Emotionen transportierten. Das könne daran liegen, dass diese Eigenschaften stärker vom Kontext und dem subjektiven Empfinden abhängen.

Auf die Länge des Zitats kam es nicht an, auf andere sprachliche Merkmale hingegen schon. Während schwächere Zitate häufiger in der ersten Person (»ich« oder »wir«) formuliert waren, nutzten starke Zitate vermehrt die Du-Form. Eine mögliche Erklärung: Die Ansprache in der zweiten Person schaffe Distanz und damit eine gewisse Autorität. Und noch eine Besonderheit wiesen die starken Zitate auf: Sie waren sprachlich komplexer. Ein simpler Spruch – »Gelegenheiten ziehen vorbei wie Wolken« – wurde eher für flach befunden.

Je mehr uns ein Zitat fordert, desto tiefer werde es verarbeitet, so die Forscherinnen. »Vielleicht zeigt sich Qualität für uns darin, dass wir härter arbeiten müssen, um die tiefer liegende Bedeutung zu entschlüsseln.«

6/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 6/2019

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  • Quelle
Journal of Language and Social Psychology 10.1177/0261927X19831743, 2019