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PALÄOBIOLOGIE: Warum die Höhlen­bären ausstarben

Der Höhlenbär (Ursus spelaeus) war eine überaus imposante Erscheinung – mit etwa 1,7 Meter Schulterhöhe und einer Kopf-Rumpf-Länge bis zu 3,5 Metern überragte er den Braunbären deutlich. Doch anders als dieser jagte er wohl nicht. Wie Forscher um Yuichi I. Naito von der Universität Tübingen an Höhlenbär­knochen belegt haben, ernährten sich die gewaltigen Tiere rein pflanzlich. Darauf deutet der niedrige Gehalt des Stickstoffisotops 15N in den Knochen hin.

Der Schädelbau, die kräftigen Kiefer und die groß­flächigen Zähne von Ursus spelaeus hatten schon früher vermuten lassen, dass er Pflanzenfresser war. Dementsprechend besiedelte er wohl nur Gebiete mit dichterer Vegetation. Das machte ihn dem modernen Pandabären (Ailuropoda melanoleuca) ähnlich, der ebenfalls nahezu ausschließlich Pflanzen zu sich nimmt. Eventuell trug diese spezialisierte Ernährung dazu bei, dass der Höhlenbär vor rund 28 000 Jahren ausstarb, wie die Forscher schreiben. Damals kühlte sich das eiszeitliche Klima ab, was zu einem Rückgang der Vegetation geführt haben und dem Bären damit die Lebensgrundlage entzogen haben dürfte.

Eine rein pflanzliche Ernährung bringt für so große Wesen wie Ursus spelaeus einige Nachteile mit sich. Um ihren Bedarf zu decken, mussten die Tiere wahrscheinlich sehr viel fressen – zumal ihr Verdauungsapparat wohl nicht ideal auf Pflanzenkost abgestimmt war, wie es auch beim Pandabären heute der Fall ist. Ein Panda benö­tigt täglich bis zu 40 Kilogramm Bambus, und an seine wenig effiziente Nahrungsverwertung hat er sich mit einer außergewöhnlich niedrigen Stoffwechselrate angepasst. Moderne Braunbären (Ursus arctos) dagegen sind Allesfresser, was sich im höheren 15N-Gehalt ihrer Knochen widerspiegelt. Sie verspeisen neben Früchten, Beeren und Blättern auch mal Lachs und erlegen sogar große Tiere. Dies macht sie äußerst flexibel und ermög­licht ihre weltweite Verbreitung.

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