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Neurophilosophie: »Es gibt kein bewusstes Denken«

Peter Carruthers vertritt eine steile These: Bewusstes Abwägen, Urteilen oder Wollen seien Illusionen. Denn sie beruhten auf Prozessen, die uns stets verborgen bleiben.
Peter Carruthers

Herr Professor Carruthers, ein Aufsatz von Ihnen aus dem Jahr 2017 trägt den erstaunlichen Titel »Die Illusion des bewussten Denkens«. Wie ist das gemeint?

So, wie es der Titel sagt: Die Idee, dass wir bewusst ­denken, halte ich für einen Irrtum. Dieser subjektive Eindruck beruht vielmehr auf einem Umstand, den ich als die Illusion der Unmittelbarkeit bezeichne. Ausgangspunkt meiner Überlegungen war dabei der Versuch, die beiden wichtigsten Ansätze der Bewusstseinstheorie schärfer zu fassen: Da ist zum einen die Global Workspace Theory (deutsch: Theorie des globalen Arbeits­raums; Anm. d. Red.), die vor allem von den Neuro­wissenschaftlern Stanislas Dehaene und Bernard Baars vertreten wird. Ihre Grundthese besagt, dass ein bewusster mentaler Zustand anderen geistigen Funktionen wie dem Arbeitsgedächtnis, der Entscheidungs­findung oder der Sprache verfügbar sein muss. Bewusste Zustände sind demnach solche, die »global ausstrahlen« ...

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  • Quellen

Carruthers, P.: Comparative Psychology without Consciousness. In: Consciousness and Cognition 63, S. 47-60

Carruthers, P.: The Illusion of Conscious Thought. In: Journal of Consciousness Studies 24, S. 228–252, 2017

Carruthers, P.: The Centered Mind: What the Science of Working Memory Shows Us about the Nature of Human Thought. Oxford University Press 2015