Direkt zum Inhalt
Login erforderlich
Dieser Artikel ist Abonnenten mit Zugriffsrechten für diese Ausgabe frei zugänglich.

Neurophilosophie: »Es gibt kein bewusstes Denken«

Peter Carruthers vertritt eine steile These: Bewusstes Abwägen, Urteilen oder Wollen seien Illusionen. Denn sie beruhten auf Prozessen, die uns stets verborgen bleiben.
Peter Carruthers

Herr Professor Carruthers, ein Aufsatz von Ihnen aus dem Jahr 2017 trägt den erstaunlichen Titel »Die Illusion des bewussten Denkens«. Wie ist das gemeint?

So, wie es der Titel sagt: Die Idee, dass wir bewusst ­denken, halte ich für einen Irrtum. Dieser subjektive Eindruck beruht vielmehr auf einem Umstand, den ich als die Illusion der Unmittelbarkeit bezeichne. Ausgangspunkt meiner Überlegungen war dabei der Versuch, die beiden wichtigsten Ansätze der Bewusstseinstheorie schärfer zu fassen: Da ist zum einen die Global Workspace Theory (deutsch: Theorie des globalen Arbeits­raums; Anm. d. Red.), die vor allem von den Neuro­wissenschaftlern Stanislas Dehaene und Bernard Baars vertreten wird. Ihre Grundthese besagt, dass ein bewusster mentaler Zustand anderen geistigen Funktionen wie dem Arbeitsgedächtnis, der Entscheidungs­findung oder der Sprache verfügbar sein muss. Bewusste Zustände sind demnach solche, die »global ausstrahlen« ...

Kennen Sie schon …

Gehirn&Geist – Völlig verwirrt?

Sind Sie manchmal völlig verwirrt und haben keinen Durchblick? Gut so, Konfusion motiviert, macht produktiv und beschleunigt den Lernprozess. Außerdem: Manche Menschen werden von einem lästigen Pfeifen geplagt. Die Suche nach den Hirnmechanismen, denen Tinnitus entspringt, deckt zugleich mögliche Wege zu seiner Linderung auf. Lachgas hat den Ruf einer relativ ungefährlichen Substanz. Warum entwickeln trotzdem immer mehr Konsumenten gesundheitliche Schäden bei Einnahme der Trenddroge? Lange hielt man den Thalamus für eine simple Zwischenstation auf dem Verarbeitungsweg der Sinnesinformationen. Doch vermutlich wären viele Denkprozesse ohne ihn gar nicht möglich.

Spektrum - Die Woche – Zwei junge Forscher stellen die Mathematik auf den Kopf

Treten Sie ein in den Bonner Hörsaal, in dem zwei junge Mathematiker im Juni 2022 damit begannen, durch ihren revolutionären Ansatz der verdichteten Mengen die Regeln des Fachs neu zu schreiben! Außerdem in dieser Ausgabe: ein mutiger Vermittlungsansatz im ewigen Streit der Bewusstseinstheorien.

Gehirn&Geist – Zucker als Droge - Wie Süßes unser Gehirn beeinflusst

Auch Erwachsene können Süßem nur schwer widerstehen. Warum wirkt Zucker wie eine Droge und wie beeinflusst Süßes unser Gehirn? Lässt sich dagegen etwas machen? Außerdem: Warum schwindeln manche Menschen ständig, wie kann man solchen pathologischen Lügnern helfen? Manchmal ist es nicht so leicht zu entscheiden, ob wir etwas wirklich sehen oder es uns nur vorstellen. Wie unterscheidet unser Gehirn zwischen Realität und Einbildung? Manche Menschen können längerfristige kognitive Probleme nach einer Krebstherapie haben. Was weiß man über das so genannte Chemobrain, was kann Linderung verschaffen? Dating-Apps ermöglichen es, Beziehungen mit einem Klick zu beenden und plötzlich unsichtbar zu sein. Dieses Ghosting kann für die Opfer sehr belastend sein.

Schreiben Sie uns!

3 Beiträge anzeigen

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Zuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmende sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Zuschriften können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

  • Quellen

Carruthers, P.: Comparative Psychology without Consciousness. In: Consciousness and Cognition 63, S. 47-60

Carruthers, P.: The Illusion of Conscious Thought. In: Journal of Consciousness Studies 24, S. 228–252, 2017

Carruthers, P.: The Centered Mind: What the Science of Working Memory Shows Us about the Nature of Human Thought. Oxford University Press 2015

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.