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Gute Frage: Warum klingen vertraute Wörter fremd, wenn man sie oft wiederholt?

Wenn wir Wörter sehr oft hintereinander aufsagen, verlieren sie manchmal jegliche Bedeutung. Woran das liegt, weiß der Psycholinguist Johannes Gerwien.
Es ist eine Frau zu sehen, die gerade spricht.Laden...

Sagt man ein Wort sehr oft hintereinander, kommt es einem schließlich vor wie eine seltsame Aneinanderreihung fremdartiger Laute. "Obst, Obst, Obst, Obst, Obst" – was soll das überhaupt heißen? Hierbei handelt es sich um einen in der Psycholinguistik wohlbekannten Effekt: die semantische Sättigung.

Zu jedem Wort sind in unserem Gehirn zwei Arten von Information abgelegt: Bedeutung und Form. Zu Letzterer gehört einerseits das Schriftbild, andererseits der Klang, also die Folge von Lauten und Silben ­sowie die korrekte Betonung. In unserem "mentalen Lexikon" ist für jedes Wort eine spezifische Verbindung zwischen Bedeutung und Form gespeichert. Wenn wir anderen zuhören, nutzen wir die Verbindung, um uns die Bedeutung des Wortes über seinen Klang zu ­erschließen. Beim Sprechen gelingt es uns dank dieser Assoziation, Inhalte in Laute umsetzen. Als Sprecher hört man sich allerdings automatisch auch selbst zu. Die Geräusche, die den Mund verlassen, treffen gleichzeitig auf die ei­genen Ohren und aktivieren wiederum die Bedeutung des Gesagten. Diese so genannte perzeptuelle Schleife ist übrigens daran beteiligt, dass wir Versprecher blitzschnell erkennen können ("links" … äh … "rechts") ...

9/2017

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 9/2017

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  • Quellen

Balota, D. A., Black, S.: Semantic Satiation in Healthy Young and Older Adults. In: Memory & Cognition 25, S. 190–202, 1997

Gendron, M. et al.: Emotion Words Shape Emotion Percepts. In: Emotion 12, S. 314–325, 2012

Levelt, W. J. M.: Speaking: From Intention to Articulation. MIT Press, Cambridge, MA 1989

Smith, L., Klein, R.: Evidence for Semantic Satiation: Repeating a Category Slows Subsequent Semantic Processing. In: Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition 16, S. 852-861, 1990