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Synästhesie

Warum manche Menschen Töne sehen

Bei Synästhetikern treten bestimmte Sinneswahrnehmungen stets gemeinsam auf. So »schmecken« manche Betroffenen Berührungen, andere verbinden Zahlen mit Farbeindrücken. Inzwischen kennen Wissenschaftler zahlreiche Varianten dieses ungewöhnlichen Phänomens – seine Ursachen liegen allerdings weitgehend im Dunkeln.

Nun hat ein Team um Amanda Tilot vom Max-Planck-Institut für Psycholinguistik in Nimwegen das Erbgut von drei Familien untersucht, in denen eine spezielle Form von Synästhesie seit mehr als drei Generationen gehäuft vorkommt. Mehrere Mitglieder sehen beim Hören von Klängen gleichzeitig Farben.

Bei ihrer Analyse haben die Forscher zwar kein »Synästhesie-Gen« entdeckt, das in allen Familien zu finden gewesen wäre. Sie stießen aber auf mehrere seltene Genvarianten, die mit der Axonogenese – der Verschaltung von Nervenzellen – in Verbindung stehen. Diese Gene sind vor allem in der frühen Kindheit aktiv, wenn sich eine Synästhesie oft zum ersten Mal bemerkbar macht. Die Ergebnisse deuten damit in eine ähnliche Richtung wie Studien mittels bildgebender Verfahren: Diesen zufolge sind verschiedene Regionen im Gehirn von Synästhetikern anders miteinander verknüpft. Allerdings überlappten sich in der aktuellen Studie die Genvarianten zwischen den drei Familien nicht. Gut möglich also, dass unterschiedliche Mechanismen zum gleichen Sinneserleben führen.

5/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 5/2018

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  • Quelle
PNAS 10.1073/pnas.1715492115, 2018