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Wahrnehmung: Schöner Schmerz

Schmerzen empfinden wir in aller Regel als unangenehm. Doch manche Menschen genießen etwa einen kräftigen Muskelkater oder beißende Chilischärfe auf der Zunge förmlich. Wie kommt es dazu?

Für Hendrik Garbers ist Schmerz ein guter Bekannter. Viermal hat der 44-jährige Lüneburger bereits an einem Ironman-Triathlon teilgenommen; persönliche Bestzeit: 9 Stunden 20 Minuten. Gelitten hat er immer, mal mehr, mal weniger. »Während des Wettkampfs ist der gesamte Körper unter Druck«, sagt er. »Die Lunge brennt, die Muskeln werden hart. Richtig doll weh tut zwar nichts, solange man sich nicht übernimmt. Aber man ist ständig kurz davor.«

Garbers ist mit seinem Hobby nicht allein. Die Deutsche Triathlon Union, der offizielle Dachverband der Athleten, zählt fast 60 000 Mitglieder. Ähnlich viele Menschen liefen hier zu Lande 2019 einen Marathon. Ausdauersportarten stehen offenbar hoch im Kurs. Doch warum tut man sich das an? Wieso fordern Sportler sich Hochleistungen ab, bis es weh tut? Weshalb setzen sich ganz allgemein viele Menschen freiwillig schmerzhaften Situationen aus – beim Training, beim Essen eines scharfen Currys oder beim Sex?

Schmerz erfüllt eine wichtige Funktion als Warnsignal für unseren Körper. Er lenkt die Aufmerksamkeit blitzschnell auf die Hand, die auf die heiße Herdplatte fasst, oder auf den Daumen, der vom Hammer getroffen wurde. Zudem hält die Empfindung uns dazu an, aus dem Erlebnis Konsequenzen zu ziehen. Zunächst dadurch, dass wir möglichst schnell ihre Ursache beseitigen, etwa die Hand von der Wärmequelle wegziehen, bevor das Gewebe ernsthaften Schaden nimmt. Und dann, indem wir künftig die Situation meiden, die sie ausgelöst hat – zum Beispiel beim Kochen vorsichtiger sind.

Wie sehr man unter einem Schmerzreiz leidet, kann sich von Person zu Person und sogar von Situation zu Situation unterscheiden. Die Neuropsychologin Susanne Becker von der Balgrist Universitätsklinik der Universität Zürich spricht von Schmerz als multidimensionaler Empfindung. Seine sensorische Komponente sagt uns, wo es weh tut und wie stark. Sein emotional-motivationaler Anteil bestimmt dagegen, wie wir auf das Signal reagieren. Manchmal würde man alles dafür tun, die Pein schnell wieder loszuwerden. Ein andermal findet man sie vielleicht gar nicht so schlimm oder hält sie sogar ganz gern aus…

12/2020

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 12/2020

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  • Quellen

Brock, B. et al.: Gustatory pleasure and pain. The offset of acute physical pain enhances responsiveness to taste. Appetite 72, 2014

Fuß, J. et al.: A runner’s high depends on cannabinoid receptors in mice. PNAS 112, 2015

Habib, A. M. et al.: Microdeletion in a FAAH pseudogene identified in a patient with high anandamide concentrations and pain insensitivity. British Journal of Anaesthesia 123, 2019

Leknes, S. et al.: The importance of context: When relative relief renders pain pleasant. Pain 154, 2013