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Schlaf: Digitale Schlummerhilfe

ASMR-Videos sind im Internet enorm erfolgreich. Auch Psychologen interessieren sich neuerdings für die Flüster- und Knister-Filme, die beim Einschlafen helfen sollen.
Frau kämmt ihre HaareLaden...

Salma Hayek sitzt im roten Strickpulli vor einem pechschwarzen Hintergrund und haucht mal nach rechts, mal nach links in zwei Mikrofone. Sie flüstert, wo sie geboren wurde, welche Sprachen sie spricht. Da schwebt eine gelbe Tüte ins Bild. Mit ihren schwarz lackierten Fingernägeln tippt Hayek dagegen. Es raschelt und knistert. Die Schauspielerin öffnet vorsichtig die Tüte und zieht einen Mais-Chip heraus, der knackend in Stücke zerspringt, als sie hineinbeißt. Hayek haucht ins Mikro, sie hätte jetzt gern etwas Guacamole.

Zwei Frauen sitzen einander auf Stühlen gegenüber, und die eine bürstet der anderen das hüftlange Haar. Ganz langsam und immer wieder von oben nach unten. Während die Bürste durch die blonde Mähne gleitet, knistert es leise. Die Frau bürstet weiter, sie führt ihre Hand stumm auf und ab, über eine halbe Stunde lang.

Auf den ersten Blick wirken solche Filme befremdlich. Bizarre Aufnahmen, in denen Frauen mit langen Fingernägeln auf Cremedöschen trommeln, über Bürsten streichen, raschelnd Zeitschriften umblättern oder schmatzend in Gemüse beißen. Die Geräusche werden durch Mikrofone verstärkt, die selbst leiseste Töne einfangen. Derartige Bewegtbilder mit dem Label »ASMR«, für »autonomous sensory meridian response«, breiten sich zurzeit rasant im Internet aus. Sie sollen beim Einschlafen helfen, ja sogar Depressionen und andere Erkrankungen lindern. Inzwischen gibt es mehr als zehn Millionen verschiedene ASMR-Clips auf Youtube, in denen Menschen erschreckend langweilige Dinge tun. Täglich kommen tausende neue dazu. Einige ihrer Macher haben mehr als eine Million Abonnenten, so wie die 33-jährige Maria Viktorovna mit ihrem Kanal »Gentle Whispering ASMR«. Neuerdings interessieren sich auch Wissenschaftler dafür. Sie wollen herausfinden, ob die Videos tatsächlich halten, was sich Produzenten und Zuschauer davon versprechen ...

5/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 5/2019

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