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Geschlechterrollen: »Gender lässt sich nicht losgelöst von der Biologie betrachten«

Der Primatologe Frans de Waal reflektiert über Genderidentität und -diversität und erklärt, was wir von anderen Primaten über Toleranz lernen können.
Schimpansen

Herr de Waal, vor 40 Jahren erschien Ihr erstes Buch »Chimpanzee Politics«. Sie forschten jahrzehntelang über Sozialverhalten, Emotionen, Kultur und Moral bei Primaten. Nun wenden Sie sich in Ihrem neuesten Buch dem Thema Gender zu. Warum?

Die Menschen interessieren sich brennend dafür. Jedes Mal, wenn ich vor Publikum über Geschlechterunterschiede bei Primaten spreche, haben die Leute viele Fragen. Philosophen und Psychologen trauen sich oft nicht, offen darüber zu reden. Denn das Thema ist kontrovers, es provoziert Kritik. Wir Biologen sind da weniger gehemmt. Natürlich gibt es einen kulturellen Einfluss darauf, wie sich Männer und Frauen verhalten. Aber das erklärt halt nicht alles.

Haben Sie mit negativen Reaktionen auf das Erscheinen des Buchs gerechnet?

Ich befürchtete, einen Teil der Feministinnen aufzubringen, wenn ich Unterschiede zwischen den Geschlechtern postuliere. Manche von ihnen wollen nichts von Biologie hören. Doch ich glaube, das ist nicht die Mehrzahl. Am Ende regten sich eher diejenigen auf, die nicht an Diversität in der Natur glauben. Hierzu gehören gehören Homosexualität, Bisexualität oder Tiere, die sich nicht gendertypisch verhalten. In den USA gibt es viele Menschen, die denken, Transgender sei eine bewusste Lebensentscheidung oder eine vorübergehende Phase. Diese Leute sind es eher, denen die Biologie ein Dorn im Auge ist.

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