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Wasser und Eis.

CD-ROM, Springer, Berlin/Heidelberg 2000, DM 79,–.


Viel vorgenommen haben sich Autoren und Herausgeber. Laut Verlagswerbung wollen sie Laien, Schülern und Lehrern komplexe Inhalte anschaulich machen und dabei sogar einen "erlebnisorientierten Zugang" bieten.

Dieses Versprechen wurde nicht eingehalten. Wohl erhält der Nutzer eine Fülle an Informationen zu unterschiedlichen Aspekten rund um das lebenswichtige Element, doch die Darreichungsform bleibt weit hinter den Möglichkeiten des Mediums zurück. Zum allergrößten Teil werden die Informationen als Text dargeboten, Animationen und Videos gibt es wenige, erstere sind recht simpel gehalten, letztere bedauernswert schlecht aufgelöst und flau in der Farbe. Der Erlebnischarakter ist mir jedenfalls entgangen.

Dem Thema entsprechend stehen die Texte augenfreundlich auf blauem Hintergrund. Ihr Niveau orientiert sich am Fachbuch, der interessierte Laie dürfte schwer zu kämpfen haben. "Die Fähigkeit der Prokaryoten zur Bildung organischer Substanz aus anorganischer Substanz muss sich relativ schnell entwickelt haben. Man geht heute davon aus, dass die chemoautotrophe und anaerobe Photosynthese die früheste Form der Autotrophie war." Wer möchte so einen Text auf dem Monitor lesen?

Aber es gibt ja das auf Mausklick verfügbare Glossar. Dort erfährt der Leser zu "chemoautotroph", dass es die Fähigkeit von "autotrophen Lebewesen" zur "Chemosynthese" sei. Der nächste Mausklick erhellt "autotroph" als Fähigkeit von Lebewesen, ihren Organismus ausschließlich mit anorganischen Substanzen aufzubauen. "Chemosynthese" sei "Assimilation ohne Licht", die Erläuterung der "Assimilation" bleibt das Glossar schließlich schuldig. Vielleicht hätte der Herausgeber außer Hydrologen, Biologen, Geografen und Geologen auch Vertreter der schreibenden Zunft beschäftigen sollen.

Frater selbst ist nach eigener Auskunft gelernter Geograf und Geschäftsführer der Firma Multimedia consulting, die auf die Umsetzung naturwissenschaftlicher Themen in den Neuen Medien spezialisiert ist. Als solcher verantwortet er auch das technische und didaktische Konzept dieses Werkes.

Dieses versucht durch die Hauptkapitel "Einführung", "Hydrologie", "Wasser der Erde", "Eigenschaften", "Lebensgrundlage", "Ökologie", "Gewässeranalyse" sowie "Nutzung und Konflikte" Ordnung in die Themenvielfalt zu bringen. Der Leser hat auf der Hauptseite die Wahl, diese Kapitel systematisch anzugehen – dazu wählt er "Wissen im Detail" – oder sich auf eine "Forschungsreise" zu begeben. Während er im ersten Fall allen Verzweigungen der Kapitel und Unterkapitel beliebig folgen kann, wird der Forschungsreisende auf einem festgelegten Weg durch verschiedene Themen geführt. Außerdem werden ihm von vornherein nur bildschirmfüllende Graphiken und Animationen angeboten, während diese bei "Wissen im Detail" vergrößerbarer Teil des Bildschirms sind und den dargebotenen Text ergänzen.

Ein Lob muss ausgesprochen werden: Die Navigation per Button führt zuverlässig zu den diversen Unterpunkten und auch aus dem Programm hinaus; das ist keineswegs selbstverständlich. Und: Die rechte Maustaste ist Funktionsträger geworden, bei CD-ROMs eine Seltenheit. Insgesamt beschränken sich die Möglichkeiten zur Interaktion jedoch auf das Abrufen von Informationen und das Starten der schlichten Animationen und Videos. Immerhin: Wenn eine Schule über die technische Ausstattung verfügt, Bildschirminhalte zu projizieren, findet der Lehrer hier eine reichhaltige Materialquelle vor.

Aus: Spektrum der Wissenschaft 7 / 2000, Seite 112
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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