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Schlichting!: Weihnachtliche Reflexionen

Ordnet man spiegelnde Glaskugeln in Tetraederform an, tauchen in den fraktalen Reflexionsmustern unendlich viele "Weihnachtsbäume" auf.

Weihnachtsbäume sind nicht mehr das, was sie einmal waren. Wachs- und Stearinkerzen weichen zunehmend elektrischen Leuchten, Lametta aus schweren Stanniolstreifen ist weit gehend verschwunden, und sogar Baumschmuck aus Kunststoff trifft man an. Nur die guten alten Weihnachtskugeln aus Glas haben allen Trends widerstanden. Was macht den Reiz dieser zerbrechlichen Objekte aus?

Forschen wir ihm nach und stellen uns ein weihnachtlich geschmücktes Zimmer vor. Eine verspiegelte Kugel, so kann man sich leicht überlegen, bildet den gesamten Raum ab – bis auf den kleinen Bereich, den sie selbst verdeckt. In ihrem kleinen Volumen nimmt sie die vielen Lichtquellen im Raum auf und sendet ihr Licht sphärisch konzentriert wieder aus. Wenn es sich dann mit den Reflexionen der anderen Kugeln multipliziert, erwächst den Originallichtern ernsthafte Konkurrenz.

Überdies hat der "Rundumblick" der Kugeln eine fast philosophisch zu nennende Konsequenz: Man kann sie nicht betrachten, ohne sich gleichzeitig selbst zu sehen. Der Künstler Maurits Cornelis Escher (1898 – 1972), der ein ausgeprägtes Gespür für solche Überraschungen und scheinbaren Paradoxien des Alltags hatte, schuf auf diese Weise ein raffiniertes Selbstporträt. Darauf hält er eine verspiegelte Kugel vor sich und betrachtet sein eigenes Konterfei. Fast alles an dieser Lithografie wirkt wie ein Abbild der Wirklichkeit, etwa die sphärischen Verzerrungen des Raums und die gespreizten Finger, die an der Oberfläche der Kugel auf ihre Spiegelungen treffen. Doch was ist mit Escher selbst? Müsste der Künstler auf dieser so entschieden realistischen Darstellung nicht die Zeichenfeder in der Hand halten? ...

Dezember 2012

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Dezember 2012

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