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Standpunkt: Produzieren wir »kluge Dummköpfe«?

Der Intelligenzforscher Robert Sternberg fordert, dass Schulen mehr Wert auf die Kreativität und die ethische ­Urteils­fähigkeit der Schüler legen.
Robert J. Sternberg erlangte in den 1980er Jahren Bekanntheit für seine psychologischen Erkenntnisse zur Intelligenz.Laden...

Seit Jahrzehnten forscht der renommierte US-amerikanische Psychologe Robert Sternberg über intellektuelle Begabung. Wie kann man sie unterstützen und wie messen? In seinem »triarchischen Modell der Intelligenz« rückte er bereits in den 1980er Jahren Kreativität sowie praktische Klugheit an die Seite der analytisch-logischen Fähigkeiten. Seit rund zehn Jahren forscht Sternberg an der Cornell University in Ithaca zudem über ethisches Handeln sowie »Weisheit« – und wie man beides in den Schulen und Universitäten vermitteln und bewerten könnte. Denn ein nur auf ana­lytische Intelligenz fokussiertes Bildungssystem wür­de der Gesellschaft schaden, erklärte Sternberg anlässlich seiner Auszeichnung mit dem William James Fellow Award durch die amerikanische Psychologenorganisation APS (Association for Psychological Science, Jahrestreffen 2017).

Herr Professor Sternberg, kürzlich sagten Sie, IQ- oder Studierfähigkeitstests wie der SAT und der ACT würden im Wesentlichen »kluge Dummköpfe« selektieren – gemeint sind Menschen, die zwar intelligent sind, jedoch nicht zur Lösung unserer gesellschaftlichen Probleme beitragen. Wie kommen Sie darauf?

Tests wie der SAT, der ACT, die GRE eignen sich gut, um theoretisches Wissen sowie die allgemeine Intelligenz und verwandte Fähigkeiten zu messen. Ihre Ergebnisse korrelieren stark mit jenen von IQ-Tests und können etliches im Leben recht gut vorhersagen: die akademische Leistung bis zu einem gewissen Grad, das Gehalt, in geringerem Ausmaß auch die berufliche Stellung, die man einmal erreichen wird. Aber die Tests sind sehr begrenzt, und ich behaupte, dass sie uns eventuell sogar schaden. Die Überbetonung rein akademischer Fähigkeiten, solche, mit denen man gute Noten in der Schule bekommt, kann sich aus vielerlei Gründen nachteilig auswirken. Am Ende hat man Menschen, die zwar gut mit Prüfungen und Computern zurechtkommen – ­sicherlich wichtige Eigenschaften. Das genügt jedoch nicht, um unsere Welt zu einer besseren zu machen ...

5/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 5/2018

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  • Literaturtipps und Quellen

Literaturtipps

Sternberg, R. et al.: Teaching for Wisdom, Intelligence, Creativity, and Success. Skyhorse Publishing, New York City 2015
Das praxisnahe Buch für Lehrer erklärt anhand vieler Beispiele, wie sich Weisheit und Kreativität im Rahmen verschiedener Unterrichtsfächer vermitteln lassen.

Sternberg, R. (Hg.): The Nature of Human Intelligence. Cambridge University Press, Cambridge 2018
19 bekannte Intelligenzforscher berichten über die neuesten Entwicklungen in ihrem Fachgebiet.


Quellen

Sternberg, R.: Successful Intelligence: A Model for Testing Intelligence beyond IQ Tests. In: European Journal of Education and Psychology 8, S, 76-84, 2015

Sternberg, R.: ACCEL: A New Model for Identifying the Gifted. In: Roeper Review 39, S, 152-169, 2017