Direkt zum Inhalt

Pathologisches Kaufen: Wenn Shoppen zur Sucht wird

Wer seinem ständigen Kaufdrang nicht widerstehen kann, hat möglicherweise ein behandlungsbedürftiges Problem. Meist suchen Betroffene jedoch erst Hilfe, wenn die Schulden sie erdrücken oder die Partnerschaft zu zerbrechen droht. Die Psychologin Astrid Müller erforscht, was das pathologische Kaufen kennzeichnet, und erklärt die Therapiemöglichkeiten.
KaufsuchtLaden...
Als Frau L. zum ersten Mal in die Sprechstunde kam, war sie sehr niedergeschlagen. Sie berichtete, dauernd Streit mit ihrem Mann zu haben. Auslöser waren meist Mahnungen wegen unbezahlter Rechnungen – offenbar gab Frau L. zu viel Geld für Kleidung und Wohnungsdekoration aus. Fast täglich gefielen ihr neue Sachen, die sie unbedingt haben musste. Obwohl die Freude an den erworbenen Dingen stets sehr schnell nachließ, konnte sie dem Kaufdrang nicht widerstehen. Manchmal versteckte sie die Einkäufe sogar vor ihrem Mann und ihren Kindern. Der Keller war längst mit Kisten voller Vasen, Sofakissen und Kerzenständern vollgestopft. Aus Angst prüfte Frau L. schon gar nicht mehr ihren Kontostand; auch die Post öffnete sie nicht mehr. Sie schämte sich dermaßen für ihr Verhalten, dass sie mit niemandem darüber sprechen konnte.
So wie dieser Patientin geht es vielen Menschen: Die Lust am Einkaufen entgleitet ihnen. Vorher vertrieb das Shoppen trübe Launen oder belohnte für erledigte Arbeit – jetzt ist ein ernsthaftes, behandlungsbedürftiges Problem entstanden, Psychologen sprechen vom "pathologischen Kaufen".
Die Betroffenen benutzen die Waren so gut wie nie, manchmal packen sie diese nicht einmal aus. Oft verheimlichen oder verstecken sie ihre Einkäufe ...
September 2009

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist September 2009

Kennen Sie schon …

Meins! - Warum weniger manchmal mehr ist

Spektrum Kompakt – Meins! - Warum weniger manchmal mehr ist

Wer einen Umzug vor sich hat, wird häufiger mal seufzen: Hätte man doch bloß nicht so viele Bücher, sperrige Möbel oder andere Habseligkeiten angesammelt - und beneidet gleichzeitig Menschen, die regelmäßig und konsequent ausmisten.

36/2019

Spektrum - Die Woche – 36/2019

In dieser Ausgabe widmen wir uns der Toxoplasmose, dem Altern und der Utopie.

Autismus-Spektrum-Störungen

Spektrum Kompakt – Autismus-Spektrum-Störungen

Noch immer müssen sich Autisten mit vielen Vorurteilen und falschen Vorstellungen auseinandersetzen. Dabei zeichnen wissenschaftliche Ergebnisse längst ein differenziertes Bild. Unser zweites Kompakt zum Thema Autismus-Spektrum-Störungen.

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

  • Quellen
Literaturtipp

Karsten, C.: Shoppen ohne Ende. Wenn Kaufen zur Sucht wird. Patmos, Düsseldorf 2008.
Ratgeber für Betroffene, inklusive Fragebogen zur Selbsteinschätzung. Die Autorin Carien Karsten ist Psychotherapeutin mit dem Spezialgebiet Kaufsucht.


Quellen Black, D. W.: A Review of Compulsive Buying Disorder. In: World Psychiatry 6, S. 14-18, 2007.

Frost, R. O. et al.: Compulsive buying, compulsive hoarding and obsessive compulsive disorder. In: Behavior Therapy 33, S. 201-214, 2002.

Grant, J. E., Potenza, M.: Impulse Control Disorders: Clinical Characteristics and Pharmacological Management. In: Annals of Clinical Psychiatry 16 (1), S. 27-34, 2004.

Grüsser, S. M., Thalemann, C. N.: Verhaltenssucht. Diagnostik, Therapie, Forschung. Huber, Bern, 2006.

Koran, L. M. et al.: Estimated Prevalence of Compulsive Buying Behavior in the United States. In: American Journal of Psychiatry 163, 1806-1812, 2006.

McElroy, S. L. et al.: Compulsive Buying: A Report of 20 Cases. In: Journal of Clinical Psychiatry 55, S. 242-248, 1994.

Mitchell, J. E. et al.: Cognitive Behavioural Therapy for Compulsive Buying Disorder. In: Behaviour Research and Therapy 44, S. 1859-1865, 2006.

Mueller, A. et al.: Compulsive Hoarding in a Compulsive Buying Sample. In: Behaviour Research and Therapy 45, S. 2754-2763, 2007.

Mueller, A. et al: A Randomized, Controlled Trial of Group Cognitive Behavioral Therapy for Compulsive Buying Disorder: Posttreatment and 6-Month Follow-up Results. In: Journal of Clinical Psychiatry 69, S. 1131-1138, 2008.

Müller, A, et al.: Pathologisches Kaufen. Kognitiv-verhaltenstherapeutisches Therapiemanual. Köln, Deutscher Ärzte-Verlag, 2008.

Neuner, M. et al.: Compulsive Buying in Maturing Consumer Societies: An Empirical Re-Inquiry. In: Journal of Economic Psychology 26, S. 509-522, 2005.

Poppelreuther, S., Gross, W.: Nicht nur Drogen machen süchtig. Beltz, Weinheim, 2000.

Raab, G. et al.: Screeningverfahren zur Erhebung von kompensatorischem und süchtigem Kaufverhalten (SKSK). Hogrefe, Göttingen 2005.