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Archäologie: Wo wurde das Bier erfunden?

Bereits in den ersten Städten der Menschheit war der fermentierte Getreidetrunk ein Grundnahrungsmittel. Doch seine Geschichte reicht noch Jahrtausende weiter zurück: in die Morgendämmerung der Jungsteinzeit.
Khani MasiLaden...

Die Geschichte alkoholischer Getränke reicht weit zurück. Schon im 4. Jahrtausend v. Chr. vergoren die Ägypter und die Bewohner der Levanteküste Traubensaft zu Wein. Geradezu ein Klischee ist der Met als liebster Trunk der Germanen. Tatsächlich lassen sich Spuren fermentierten Honigs bereits in Gefäßen der jungsteinzeitlichen Glockenbecherkultur (etwa 2800–1800 v. Chr.) chemisch nachweisen. Kurz: Viele Kulturen des Altertums schätzten alkoholische Getränke. Die waren nahrhaft und berauschten, was vor allem bei Kult und Ritualen eine Rolle spielte. Außerdem dürften die Menschen bemerkt haben, dass solche Getränke bekömmlicher waren als Wasser. Den Grund kannten sie damals freilich noch nicht: Schon ein geringer Alkoholgehalt wirkt gegen krank machende Keime.

Das wohl älteste Getränk dieser Art ist allerdings das aus fermentiertem Getreide gebraute Bier. Bis vor Kurzem galt es als eine Erfindung der »neolithischen Revolutionäre«, das heißt der ersten sesshaften Bauern im Gebiet des Fruchtbaren Halbmonds. Seine Bedeutung habe es dann in den ersten städtisch geprägten Gesellschaften erhalten, glaubten die Experten. Neuerdings mehren sich jedoch Hinweise darauf, dass diese Vorstellung korrigiert werden muss. Dank naturwissenschaftlicher Methoden lässt sich die Geschichte dieser Getränketechnologie immer weiter urückverfolgen. So wurde Bier vermutlich bereits in Vorderasien getrunken, als die Menschen noch nicht in festen Dörfern lebten und Äcker bestellten. Ein Indiz dafür stammt aus der Kultanlage auf dem Göbekli Tepe in Südostanatolien, die Archäologen auf das 10. Jahrtausend v. Chr. datieren. Damit bilden die mit Reliefs verzierten und zu Kreisen angeordneten Steinpfeiler das älteste monumentale Bauwerk der Menschheit. Damals, im »akeramischen Neolithikum«, lebten die Menschen zwar noch als Wildbeuter und ohne Tongefäße. Doch weil ein günstiges Klima Körner tragende Gräser wie wilde Gerste reichlich wachsen ließ, blieben die Menschen saisonal am Ort und ernteten, ohne gesät zu haben …

November 2019

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft November 2019

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