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Mykene (I): Wer saß einst auf Mykenes Thron?

Trutzige Burgen, kostbare Grabbeigaben, Freskenmalerei und eine eigene Schrift – die nach dem Fundort Mykene benannte frühgriechische Kultur beeindruckt uns bis heute. Doch ihre Regierungsform stellt Archäologen vor Rätsel. Herrschte ein Großkönig über den gesamten Kulturraum, oder teilten sich die mehrere Herrscher die Macht?
Thronsaal des mykenischen PalastesLaden...

Angetan mit Brustharnisch, Schild und bronzenen Schwertern, auf dem Haupt einen mit Zähnen wilder Eber besetzter Helm – so ließ Homer die Krieger des griechischen Festlands gegen Troja und seine Verbündeten aufmarschieren. Angeführt von Fürsten und Königen hätten sie in blutigen Zweikämpfen um Ehre und Beute gerungen. Der mächtigste unter den griechischen Königen sei Agamemnon von Mykene gewesen: der Oberbefehlshaber der Invasionsarmee, die Homers "Schiffskatalog" zufolge aus den Kontingenten von 29 Königreichen bestand.

Schon in der griechischen Antike war dieser Krieg nur noch ferne Vergangenheit. Über deren geschichtliche Wahrheit bestand gleichwohl kein Zweifel, wie man etwa den Schriften des fast ein Jahrtausend nach Homer lebenden Pausanias entnehmen kann. Dessen Reisehandbuch sowie "Ilias" und "Odyssee" im Gepäck, machte sich der Troja-Ausgräber Heinrich Schliemann (1822 – 1890) auch daran, Agamemnons Mykene wiederzuentdecken. In seiner Nachfolge erforschen Altertumswissenschaftler verschiedener Disziplinen bis heute die mykenische Zivilisation, die in der späten Bronzezeit zwischen 1400 und 1200 v. Chr. ihre höchste Blüte erreichte und dann aus noch nicht vollständig verstandenen Gründen unterging. Längst haben sich die Forscher von den Archäologiepionieren gelöst und hinterfragen deren Deutungen. Insbesondere die Annahme eines Königtums als vorherrschende Regierungsform ist in die Kritik geraten.

Es schien naheliegend, denn das markanteste Kennzeichen jener Epoche sind die Burgen mit ihren zyklopischen Mauern, die ihre neuzeitlichen Entdecker mit den "Palästen" der homerischen Epen gleichsetzten. Solche monumentalen Zentren erhoben sich in vielen Regionen, auch auf der Insel Kreta. In anderen Gebieten Griechenlands kamen keine derartigen Ruinen zu Tage, doch orientierten sich die Zeitgenossen dort durchaus am kulturellen Vorbild der Palaststaaten, wie beispielsweise Siegelfunde zeigen. Um die Burgen und im Land verteilt lagen Siedlungen unterschiedlicher Größe und Gehöfte. ...

Juni 2015

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Juni 2015

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