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Mikrobiom: Wie Darmbakterien Depressionen fördern

Die Bakterien in unserem Darm beeinflussen auch unsere Psyche – diese Erkenntnis ist unter Forschern nichts Neues mehr. Doch wie könnte eine mögliche Darm-Hirn-Achse funktionieren? Um der Antwort auf diese Frage ein Stück näher zu kommen, analysierten Jeroen Raes von der Katholischen Universität Löwen und seine Kollegen die Daten von gut 1000 Patienten, die eine Depression diagnos­tiziert bekommen und zugleich am Flemish Gut Flora Project (FGFP) teilgenommen hatten, bei dem das Mikrobiom von Freiwilligen untersucht wird.

Dabei entdeckten die Forscher, dass die Bakteriengattungen Coprococcus und Dialister im Verdauungstrakt von depressiven Patienten seltener vorkamen als in einer Vergleichsgruppe – unabhängig von der Ernährung der Betroffenen oder davon, ob sie Antidepressiva einnahmen. Zumindest im Fall von Coprococcus könnte das Folgen für das Gehirn haben, meinen die Wissenschaftler, und zwar über deren typischen Stoffwechsel: Die Bakterien scheiden die kurzkettige Fettsäure Butyrat aus, die Darmzellen unter anderem als Energiequelle dient und Studien zufolge positive Effekte auf den Organismus zu haben scheint. Außerdem erzeugen die Mikroben 3,4-Dihydroxyphenylessigsäure, eine Vorstufe des Neurotransmitters Dopamin. Womöglich liefern die Bakterien den Darmzellen also nicht bloß Energie, sondern dem Körper dringend benötigte Moleküle zur Produktion von Transmittern, spekulieren die Wissenschaftler um Raes.

4/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 4/2019

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  • Quelle
Nat. Microbiol. 10.1038/s41564-018-0337-x, 2019