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Neurowissenschaft: Wie das Gehirn zwischen zwei Sprachen wechselt

Das Gehirn von Bilingualen muss offenbar mehr arbeiten, wenn sie eine Sprache unterdrücken, als wenn beide Sprachen parallel aktiviert sind. Das zeigte ein Team um Esti Blanco-Elorrieta von der New York University anhand von Menschen, die sowohl Englisch als auch die amerikanische Gehörlosensprache perfekt beherrschen. Diese Kombination erlaubt ihnen, was bei gesprochenen Sprachen nicht möglich ist: Sie können beide Sprachen gleichzeitig erzeugen, etwa indem sie einen Gegenstand auf Englisch benennen und gleichzeitig die entsprechende Gebärde machen. Das taten die Probanden, während die Forscher ihre Hirnaktivität aufzeichneten.

Offenbar konkurrieren im Gehirn von Bi- und Multilingualen die Sprachen darum, für die Sprachproduktion herangezogen zu werden. Deshalb fiel es den Teilnehmern leichter, den gesuchten Ausdruck gleichzeitig in beiden Sprachen zu äußern. Das »Abschalten« einer Sprache war hingegen mit erhöhter Aktivität in jenen Hirnarealen verbunden, die für die kognitive Kontrolle zuständig sind, entdeckten die Forscher. Sie gehen davon aus, dass dies im bilingualen Normalfall nicht anders ist, also auch auf Menschen zutrifft, die zwei Lautsprachen beherrschen. Wenn diese in einer konkreten Gesprächssituation von einer zur anderen wechseln, liege bei ihnen der kognitive Aufwand vermutlich darin, eine der Sprachen zu unterdrücken – und nicht darin, die jeweils andere zu aktivieren.

12/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 12/2018

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  • Quelle
PNAS 10.1073/pnas.1809779115, 2018