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Erzählforschung: Wie ein offenes Buch

Menschen lieben Geschichten. Doch Mythen, Märchen und Legenden unterhalten nicht nur - sie erzählen auch einiges über unsere Psyche.
"Es gibt keinen Pakt zwischen Löwen und Menschen!" sagt Brad Pitt im Film "Troja" zu Eric Bana. Die düstere Zeile hat sich allerdings kein Drehbuchschreiber ausgedacht. Sie stammt vom Urvater der abendländischen Literatur, dem Griechen Homer selbst, der sie vor über zweieinhalbtausend Jahren in seiner Ilias dem Achilles in den Mund legte. Die Geschichte vom Kampf um die Stadt Troja zog ganze Generationen in ihren Bann, zunächst als mündlich überliefertes Epos, dann als literarisches Werk und schließlich in Form mehrerer Filmfassungen. Dass der Hollywood-Streifen an den Kinokassen weltweit so erfolgreich war, beweist: Die Faszination ist ungebrochen.
In einer guten Story steckt jedoch mehr als nur spannende Unterhaltung. Psychologen und Neurowissenschaftler wundern sich: Wozu wird uns die Freude am Geschichtenerzählen regelrecht in die Wiege gelegt? Und wie wirken sich erzählte Fiktionen auf unser Verhalten und unsere Einstellungen aus?
Die Antwort liegt in unserer Natur als soziales Wesen. Denn Geschichten erzählen wir immer für und über andere Menschen. Sie entführen uns in gedankliche Welten, wo wir gefahrlos den Umgang mit anderen erproben und die Spielregeln der Gesellschaft erfahren. Und nicht zuletzt manipulieren sie auf einzigartige Weise Überzeugungen, indem sie über das Einfühlungsvermögen der Zuhörer direkt an deren Gefühle appellieren ...
Dezember 2008

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist Dezember 2008

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Literaturtipps:

Gottschall, J., Wilson, D.: The Literary Animal: Evolution and the Nature of Narrative. Northwestern University Press, Evanston 2005.

Green, M.: Transportation into Narrative Worlds: The Role of Prior Knowledge and Perceived Realism. In: Discourse Processes 38, S. 247–266, 2004.

Hogan, P. C.: The Mind and Its Stories: Narrative Universals and Human Emotion. Cambridge University Press, Cambridge 2003.

Mar, R. et al.: Detecting Agency from the Biological Motion of Veridical vs. Animated Agents. In: Social Cognitive and Affective Neuroscience 2, S. 199-205, 2007.

Oatley, K.: Why Fiction May Be Twice as True as Fact: Fiction as Cognitive and Emotional Simulation. In: Review of General Psychology 3, S. 101–117, 1999.

Pinker, S.: Toward a Consilient Study of Literature. In: Philosophy and Literature 31, S. 162-178, 2007.