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Schmerzwahrnehmung: Bloß nicht hinschauen!

Unser Schmerzempfinden wird von dem beeinflusst, was wir im selben Augenblick um uns herum wahrnehmen. Eröffnet das neue Therapiewege?
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"Nicht hinschauen, dann tut es weniger weh!" Wenn Ärzte eine Spritze geben oder Blut abnehmen, raten sie gern zum Wegschauen – sie gehen davon aus, dass es den Schmerz verstärkt, wenn man dabei zusieht. Stimmt das? Und hilft beruhigende Musik im Hintergrund, etwa beim Zahnarzt, um zu entspannen und weniger Schmerz zu empfinden?

Hinter derartigen Strategien steht eine Annahme: nämlich dass Sinnesreize unsere Aufmerksamkeit und unser emotionales Befinden beeinflussen und sich folglich darauf auswirken können, wie wir Schmerzen erleben. Wenn diese Annahme stimmt, sollten sich daraus auch neue Ansätze zur Behandlung von Schmerzen entwickeln lassen.

Tatsächlich wäre dies mit der Vorstellung ­vereinbar, die Wissenschaftler davon haben, wie unsere Sinneswahrnehmung funktioniert: Um unsere Umwelt ganzheitlich zu erfassen, kombiniert unser Gehirn Informationen aus ver­schie­denen Sinneskanälen zu einem Gesamtbild – Fachleute nennen das multisensorische Inte­gration. Dabei kann sich das Ganze durchaus von der Summe seiner Teile unterscheiden. Ein klassisches Beispiel ist der McGurk-Effekt: Sehen Probanden auf einem Video, wie eine Person die Silben "ga-ga" sagt, hören jedoch ein aufgenommenes "ba-ba", so geben sie hinterher an, die Person hätte "da-da" gesagt. Ohne dass sich die Versuchsteilnehmer dessen bewusst geworden wären, hat also das Gehirn den bestehenden ­Konflikt zwischen visuellem und akustischem Eindruck aufgelöst und eine einheitliche Wahrnehmung daraus gemacht. ...

10/2015

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 10/2015

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  • Quellen

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