Direkt zum Inhalt
Login erforderlich
Dieser Artikel ist Abonnenten mit Zugriffsrechten für diese Ausgabe frei zugänglich.

Titelthema: Neurowissenschaft: Wie Zauberer mit der Wahrnehmung spielen

Zauberkünstler manipulieren seit Jahrhunderten Wahrnehmung und Aufmerksamkeit der Zuschauer. Dabei haben sie intuitiv manche Erkennt nisse der modernen Neurowissenschaft vorweggenommen. Die kann auch heute noch von ihnen lernen.
© Misha GravenorLaden...
Zahlreiche Videos rund um diesen Artikel finden Sie auf www.spektrum.de/zauberei.

Der Lichtkegel des Scheinwerfers taucht die Assistentin des Zauberers in gleißendes Licht. Die attraktive junge Frau blendet das Publikum förmlich mit ihrem engen, strahlend weißen Kleid. Der Große Tomsoni verkündet, er werde die Farbe des Stoffs gleich in Rot verwandeln. Gebannt starren die Zuschauer auf die Assistentin, brennen deren Bild förmlich in ihre Netzhaut ein, um sie ja nicht aus den Augen zu lassen. Tomsoni klatscht in die Hände, einen Wimpernschlag lang erlischt der Scheinwerfer, um sogleich in leuchtendem Rot wieder aufzuflammen. Die Assistentin erscheint wie in Blut gebadet.

Moment mal! Das Publikum fühlt sich genarrt; einen farbigen Scheinwerfer benutzen kann schließlich jeder. Der Magier steht am seitlichen Bühnenrand, sichtlich erheitert ob seines kleinen Scherzes. Ja, räumt er ein, das sei ein billiger Trick gewesen; die habe er am liebsten, wie er diabolisch grinsend erklärt. Tatsächlich muss man zugeben, dass er das Kleid der Assistentin umgefärbt hat – aber auch alles andere drumherum. Nachsichtig richten die Zuschauer ihr Augenmerk wieder auf die hübsche junge Frau, als Tomsoni plötzlich in die Hände klatscht, das Licht erneut erlischt und die Bühne förmlich in einem Feuerwerk aus Weiß explodiert. Doch hoppla! Das Kleid ist wirklich rot geworden! Der Große Tomsoni hat es wieder einmal geschafft!

Dieser Trick und seine Erklärung verraten ein tiefes intuitives Wissen des Zauberers um die neuronalen Prozesse im Gehirn der Zuschauer. Wir Neurowissenschaftler können uns da noch eine Scheibe abschneiden. Und so funktioniert der Trick: Wenn John Thompson, wie Tomsoni mit bürgerlichem Namen heißt, seine Assistentin auf die Bühne bittet, verleitet ihr hautenges, weißes Kleid den Zuschauer stillschweigend zu der Annahme, darunter könne...

Kennen Sie schon …

12/2020

Gehirn&Geist – 12/2020

In dieser Ausgabe beschäftigt sich Gehirn&Geist mit Schmerz und dessen Wahrnehmung zwischen Leid und Lust. Außerdem im Heft: Lernen und kognitive Belastung, Traumwelt von Blinden, Kinder und die Corona-Pandemie, Ignoranz.

Nähe und Distanz - Abstand im sozialen Miteinander

Spektrum Kompakt – Nähe und Distanz - Abstand im sozialen Miteinander

In Zeiten von Kontaktbeschränkungen spielen Nähe und Distanz zwischen Menschen eine ganz neue Rolle. Wie viel soziales Miteinander brauchen wir? Was passiert, wenn es fehlt?

Blick in die Zukunft

Spektrum Kompakt – Blick in die Zukunft

Wir leben in der Gegenwart, wir können in die Vergangenheit zurückblicken - aber was bringt uns die Zukunft? Diese Frage beschäftigt unser Gehirn genauso wie Analysten an Prognosemärkten oder Exosoziologen.

Lesermeinung

2 Beiträge anzeigen

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!