Direkt zum Inhalt
Login erforderlich
Dieser Artikel ist Abonnenten mit Zugriffsrechten für diese Ausgabe frei zugänglich.

Neuronale Karten: Die Geburt des Homunkulus

Zu Beginn der 1930er Jahre findet ein junger Hirnchirurg heraus, dass jeweils bestimmte Orte der Großhirnrinde für Teile unseres Körpers zuständig sind.
Sensorischer HomunkulusLaden...

Mit dem Skalpell in der Hand steht Wilder Penfield vor seiner Patientin, bereit, ihren Schädel zu öffnen. Der Mediziner, 37 Jahre alt und US-Amerikaner, operiert erst seit Kurzem in Kanada an der McGill University in Montreal. In Fachkreisen gilt er bereits als einer der brillantesten Neurologen seiner Generation. Gleich nach seinem Abschluss in Princeton unter dem berühmten Neurochirurgen Harvey Cushing hatte ihm die Rockefeller-Stiftung angeboten, in New York ein Epilepsiezentrum zu gründen. Allerdings scheiterte das Vorhaben an Interessenkämpfen der dortigen Neurologenzunft. Daraufhin hatte Penfield beschlossen, nach Kanada auszuwandern. Doch in diesem Augenblick im Jahr 1928 rückt für ihn all das in den Hintergrund. Denn die junge Frau, die er gleich am Gehirn operieren wird, ist seine Schwester.

Der Fall scheint nahezu aussichtslos. Ruth Penfield hat gerade eine Reihe von Krampfanfällen hinter sich. Zwar hatte sie schon acht Jahre zuvor eine erste epileptische Episode gehabt, aber damals erkannte niemand die Ursache. Inzwischen ist die Diagnose klar: Sie leidet an einem Gliom, einem besonders aggressiven Hirntumor, ausgehend von den Gliazellen, welche eine Art Stützgerüst für die Nervenzellen bilden. Der Tumor muss entfernt werden, sonst wird Ruth sterben.

Seine Fachkollegen sind der Meinung, dass Penfield der qualifizierteste Arzt ist, der diese Operation durchführen könnte. Es handelt sich um einen hochriskanten Eingriff, bei dem jederzeit eine massive Blutung eintreten kann. Der gesamte vordere Teil des rechten Frontallappens ist vom Tumor betroffen und muss entfernt werden. Nach der Injektion eines lokalen Betäubungsmittels wird ...

2/2020

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 2/2020

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

  • Quellen

Blum, A.: A bedside conversation with Wilder Penfield. CMAJ 183, 2011

Penfield, W.: The interpretive cortex; the stream of consciousness in the human brain can be electrically reactivated. Science 129, 1959

Prudente, C. N. et al.: Neural substrates for head movements in humans: A functional magnetic resonance imaging study. Journal of Neuroscience 35, 2015