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Essay: Willkommen in der Wirklichkeit

Was, wenn alles, was wir mit den Sinnen wahrnehmen, gar nicht real wäre, sondern lediglich eine Schöpfung unseres Gehirns? Eine neuropsychologische Spurensuche
Hirnforscher Müller war hochzufrieden: Seine Probandin Rosa saß entspannt auf ihrem Stuhl, und die Messung ihrer neuronalen Aktivität per Elektro­enzephalografie (EEG) lief einwandfrei. Müller nahm einen Apfel aus seiner Akten­tasche und legte ihn vor sich auf den Tisch. "Ah, ein Apfel", sagte Rosa. "Für Sie!", antwortete Müller. "Beißen Sie bitte einmal hinein und erzählen Sie mir, was Sie dabei empfinden." Rosa nahm den Apfel und tat wie geheißen. "Lecker, so saftig. Nicht zu süß, nicht zu hart. Köstlich!", gab Rosa zu Protokoll.
Müller hörte jedoch schon gar nicht mehr richtig zu, weil er sich vorstellte, wie die "roten" Photonen von der Oberfläche des Apfels geradewegs zu Rosas Auge geschnellt waren und in ihrer Netzhaut alle möglichen Reaktionen ausgelöst hatten. Dann verfolgte er mit seinem inneren Auge sogleich die Aktionspotenziale, die von den Ganglienzellen der Netzhaut über die Sehnerven ins Gehirn geschickt wurden. In seiner Fantasie klang die Sprache der Nervenzellen wie ein leises Knistern in einem Lautsprecher ...
September 2008

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist September 2008

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Literaturtipps

Hoye, W. J.: Liebgewordene theologische Denkfehler. Aschendorff, Münster 2006.

Kläden, T.: Mit Leib und Seele. Die Mind-Brain-Debatte in der Philosophie des Geistes und die Anima-Forma-Cor­poris-Lehre des Thomas von Aquin. Friedrich Pustet, Regensburg 2005.

Nagel, T.: Die Grenzen der Objektivität. Reclam, Stuttgart 1991.