Direkt zum Inhalt
Kindesentwicklung

Wir-Gefühl in Windeln

Auf den ersten Blick können Babys nicht viel. Sie schreien, wenn ihnen etwas nicht passt, und blicken verträumt ins Leere. Doch der Schein trügt: Erstaunlich früh verfügen die Sprösslinge über beeindruckende soziale Fähigkeiten.
Charme-Offensive
Max liebt Buttergebäck. Heimlich nascht der 14 Monate alte Junge die letzten Kekse und legt die leere Schachtel zurück auf den Tisch. Seine Schwester sieht die Packung und streckt begierig ihre Hand aus. Max wundert sich: Warum greift sie danach, obwohl sie doch leer ist? Er versteht nicht, warum seine Schwes­ter gar nicht wissen kann, dass er die letzten Süßigkeiten vertilgt hat. Der Grund: Max ist schlicht zu jung; ihm fehlt ein zentrales Kennzeichen der "Theory of Mind" – der Fähigkeit, Vermutungen darüber anzustellen, was im Kopf eines anderen vor sich geht.
Für uns Erwachsene ist es ein Kinderspiel, zu bemerken, wann Mitmenschen aus falschen Überzeugungen heraus handeln. Diese Form von Erkenntnis gilt als elementar für die soziale Kompetenz. Bisher gingen Forscher davon aus, dass Kinder diese Gabe mit ungefähr vier Jahren entwickeln. Der Umschwung kann mit dem so genannten False-Belief-Test festgestellt werden: Das Kind beobachtet dabei, wie ein Erwachsener ein Objekt an einer bestimmten Stelle platziert. Die Person verlässt anschließend den Raum, und in der Zwischenzeit verstaut der Versuchsleiter den Gegenstand an einem anderen Ort. Der Erwachsene kehrt zurück, und das Kind wird gefragt, wo dieser wohl nach dem Objekt sucht.
Die meisten Dreijährigen denken, der Erwachsene werde dort nachschauen, wo sich das Objekt tatsächlich befindet …
Dezember 2010

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist Dezember 2010

Kennen Sie schon …

Dossier 1/2018

Gehirn&Geist – Dossier 1/2018: Die großen Fragen

Was ist Bewusstsein? • Macht Mitgefühl moralisch? • Existiert die Seele? • Wird Psychologie überschätzt? • Gibt es Wahrheit? • Kann man Resilienz lernen? • Bewirkt Nichts etwas?

9/2017

Gehirn&Geist – 9/2017

In dieser Ausgabe hinterfragt Gehirn und Geist das positive Image der Empathie, untersucht die psychologischen Hinterründe der Fake News und betrachtet die neuronalen Spuren von Armut. Außerdem: Gefahrenpotential vom Smartphones und Konsumpsychologie.

7/2017

Gehirn&Geist – 7/2017

In dieser Ausgabe informiert Gehirn&Geist über die Entwicklung der Persönlichkeit und beleuchtet den Fall einer 14 jährigen, die vom IS verschleppt wurde. Außerdem: Neurophilosophie des Bewusstseins und der Fall Robin Williams.

Lesermeinung

1 Beitrag anzeigen

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Vielen Dank!

  • Quellen
Buttelmann, D. et al.: Eighteen-month-old Infants Show False Belief Understanding in an Active Helping Paradigm. In: Cognition 112, S. 337-342, 2009.

Hamlin, J. K. et al.: Social Evaluation by Preverbal Infants. In: Nature 450, S. 557-560, 2007.

Hoehl, S. et al.: Young Infants' Neural Processing of Objects Is Affected by Eye Gaze Direction and Emotional Expression. In: Public Library of Science One 3(6), e2389, 2008.

Southgate, V. et al.: Action Anticipation Through Attribu­tion of False Belief by 2-Year-Olds. In: Psychological Science 18(7), S. 587-592, 2007.

Southgate, V. et al.: Predictive Motor Activation During Action Observation in Human Infants. In: Biology Letters 5, S. 769-772, 2009.