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Ernährung: Wirkungsloser Appetitzügler

Wer einmal zu viele Pfunde auf den Hüften hat, läuft schnell Gefahr, in einen Teufelskreis zu geraten. Darauf deuten zahlreiche Studien hin. Denn eine ungesunde Ernährung und das häufig daraus resultierende Übergewicht stoßen im Gehirn offenbar Umbauarbeiten an, die es den Betroffenen anschließend noch schwerer machen, ihre Nahrungsaufnahme zu kontrollieren. Eine dieser Veränderungen betrifft wahrscheinlich das Hormon Leptin. Es wird während der Mahlzeiten vom Fettgewebe abgegeben und gelangt über das Blut ins Gehirn, wo es an spezielle Nervenzellen im Hypothalamus andockt und das Hungergefühl dämpft.

Menschen mit Übergewicht haben oft große Mengen an Leptin im Blut – doch aus irgendeinem Grund scheint sich bei ihnen seine appetitzügelnde Wirkung nicht mehr zu entfalten. Woher diese Leptinresistenz herrührt, ist bislang nicht geklärt. Womöglich liegt das Problem aber gar nicht bei dem Hormon selbst, sondern bei den Leptinrezeptoren der Hirnzellen. Das legt eine Arbeit von Forschern um Rafi Mazor von der University of California in San Diego nahe. Wie sie bei Mäusen entdeckten, scheinen eine fettreiche Ernährung und Übergewicht dafür zu sorgen, dass die Leptinrezeptoren an den Neuronen im Hypothalamus in Mitleidenschaft gezogen werden.

Schuld daran ist offenbar ein Enzym mit dem Namen MMP-2, das die Rezeptoren auf der Zelloberfläche einfach kappt. Gentechnisch veränderte Mäuse, die kein MMP-2 produzierten, nahmen bei der gleichen fettreichen Ernährung weniger zu und zeigten keine beschädigten Leptinrezeptoren, wie die Forscher berichten. Im nächsten Schritt wollen sie herausfinden, ob bei menschlichen Hirnzellen ein ähnlicher Mechanismus am Werk ist.

11/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 11/2018

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  • Quelle
Sci. Translat. Med. 10.1126/scitranslmed.aah6324, 2018