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Wissenschaft im Alltag: Der Flugschreiber



Der Luftverkehr ist eine Wachstumsbranche, doch nur solange das wachsende Verkehrsaufkommen nicht auch mit immer häufigeren Unfällen einhergeht. Einen wesentlichen Anteil an den Sicherheitsvorkehrungen hat die Analyse der Aufzeichnungen von Flugschreibern, um die Absturzursache zu ermitteln: Voice Recorder nehmen alle Stimmen und Geräusche im Cockpit auf, Flugdatenschreiber protokollieren Uhrzeit, Flughöhe, Kurs sowie bis zu 350 weitere Instrumentendaten. Diese Geräte müssen so robust gebaut sein, dass sie nahezu jeden Crash überstehen. Internationalen Bestimmungen der Luftfahrtbehörden gemäß führen alle Verkehrsflugzeuge ab 10 Passagieren und 14 Tonnen Gewicht solche Flugschreiber mit. Allein in den vergangenen vier Jahrzehnten haben Techniker 100000 in gewerblich genutzten Flugzeugen installiert.

Die ersten Flugschreiber der fünfziger Jahre waren "schwarze, gekapselte Metallkästen" – aus dieser Zeit stammt die Bezeich-nung "Black Box", der sich bis heute gehalten hat, obwohl längst ein auffälliger orangefarbener Anstrich Vorschrift ist.

Außer Elektronikplatinen für Aufbereitung und Umwandlung der Flugdaten in speicherfähige Informationen enthält die 10000 bis 20000 US-Dollar teure Black Box einen Datenspeicher. Die ersten Geräte schrieben magnetische Markierungen auf ein aufrollbares Stahlband. Erst 1965 setzten die Fluggesellschaften Magnetbänder ein, zunächst nur für Voice Recorder. Modernere Geräte arbeiten auf Basis digitaler Tonbandtechnik. Diese Digital Flight Recorder sind heute noch in der B-747, im A-310 und MD-80 im Einsatz. Erst seit Anfang der neunziger Jahre setzten sich mehr und mehr Flugschreiber mit Flash-Memory-Speichern durch, wie sie im A-320 oder MD-11 zu finden sind. Während sich die Bandaufzeichnungsgeräte anfällig für Brände zeigten, wurden die neuartigen Festspeichergeräte bislang noch nie bei einem Flugzeug-Crash zerstört.

Flash-memory-Chips fassen bis zu 80 Megabyte Daten und halten sie ohne Stromversorgung über Jahre hinweg. Durch Komprimierung der Daten gelingt es so, im Endlosverfahren mindestens 30 Minuten bis zu 2 Stunden Sprachaufzeichnung sowie bis zu 25 Stunden Flugdaten zu speichern, angefangen von der Position des Flugzeuges über den Zustand von Fahrwerk, Landeklappen und Rudern bis hin zu den Triebwerkdaten (Leistung, Temperatur).

Der Unterwasser-Signalgeber ist fest mit der crash-sicheren Einheit verbunden. Er wird automatisch beim Eintauchen in Wasser aktiviert. Die Schallsignale – die wie "Ping" klingen und dem Gerät so die englische Bezeichnung Pinger einbrachten – könnten aus einer Tiefe bis zu 5000 Meter geortet werden.

Obschon die Apparate im Laufe der Zeit ständig weiterentwickelt wurden und immer mehr Instrumentendaten festhalten, streben die Luftfahrtbehörden weltweit weitere Verbesserungen an. So will die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA ab 2005 alle Boxen mit einer Eigenstromversorgung ausrüsten. Auch die Übertragung wichtiger Flugdaten eines in Not geratenen Flugzeuges per Satellitenverbindung wird erwogen. In Zukunft will man sogar eine Videokamera im Cockpit installieren und Bewegungsabläufe, Bedienung des Flugzeuges und die Handgriffe der Piloten aufzeichnen; dagegen erheben Pilotenverbände starke Einwände.

Aus: Spektrum der Wissenschaft 6 / 2001, Seite 116
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
6 / 2001

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 6 / 2001

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