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Wissenschaft im Alltag: Kaffeebohnen ohne Koffein

Kaffeebohnen ohne Koffein
Mit überkritischem Kohlendioxid gegen kritisches Herzklopfen

Nein, danke, ich kann sonst heute nacht nicht schlafen“, lautet oft die höfliche Ablehnung einer Tasse Kaffee am späten Nachmittag. Denn das Koffein im Bohnensud erhöht beispielsweise die Herzfrequenz.

Der deutsche Unternehmer und Erfinder Ludwig Roselius (1874 bis 1943) war sogar davon überzeugt, übermäßiger Kaffeegenuß habe seinem Vater den Tod gebracht. Im Bemühen, anderen Menschen dieses Schicksal zu ersparen, versuchte er um das Jahr 1900, mit verschiedenen chemischen Verbindungen das in Kaffeebohnen enthaltene Koffein zu lösen. Dies gelang ihm, ohne den Geschmack des Getränks zu beeinträchtigen.

Seit mehr als 70 Jahren ist Methylenchlorid, das kaum auf andere Aromastoffe wirkt, das hauptsächlich verwendete Mittel zur Entkoffeinierung. Zwar geriet es in den achtziger Jahren in den Verdacht, krebserregend zu sein, jedoch wurde das nie bewiesen. Die Extraktions- und Lösungsmittelrichtlinie der europäischen Gemeinschaft gestattet die Verwendung aber nur, sofern die Menge der im Röstkaffee enthaltenen Rückstände unter 2 ppm (parts per million) liegt (in den USA sind 10 ppm erlaubt).

Um den Gehalt an Koffein auf weniger als 0,1 Prozent zu reduzieren – erst dann darf man ihn als „koffeinfrei“ bezeichnen – eignen sich noch einige andere Lösungsmittel, beispielsweise überkritisches Kohlendioxid (CO2): Bei einem Druck von etwa 250 Atmosphären und einer Temperatur von mehr als 90 Grad Celsius gerät dieses Gas in einen flüssigkeitsähnlichen, überkritischen Zustand. Die Vielzahl der weiteren möglichen Methoden bei der Koffeinex-traktion zeigt, daß es vermutlich einige schlaflose Nächte gekostet hatte, Kaffeegenuß am Nachmittag und einen erholsamen Schlaf zu ermöglichen.


Aus: Spektrum der Wissenschaft 5 / 1999, Seite 157
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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