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Zoologie: Wissenschaft im Internet: Die virtuelle Arche Noah

In einer virtuellen Datenbank sollen alle bedrohten Tier- und Pflanzenarten in Bild und Ton verewigt werden - bevor sie endgültig von diesem Planeten verschwinden.


Es ist ein Wettlauf mit der Zeit. Jeden Tag sterben überall auf der Welt Tier- und Pflanzenarten aus, bevor sie wissenschaftlich beschrieben oder im Bild festgehalten werden können. Fotografien und Filme von seltenen Lebewesen verstauben in Archiven oder gehen ganz verloren. Die gemeinnützige britische Organisation Wildscreen Trust hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, die Artenvielfalt der Erde in einer »virtuellen Arche Noah« zumindest digital ins dritte Jahrtausend zu retten.

Es geht nicht in erster Linie um wissenschaftliche Daten zum Verlauf des Aussterbens; derlei ist eher auf der Seite www.redlist.org der World Conservation Union zu finden. Vielmehr soll möglichst jede der 11000 Tier- und Pflanzenarten, die auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehen, mit mehreren Fotos und bis zu zehn Minuten Film- oder Tonmaterial im virtuellen Archiv www.arkive.org verewigt werden. Bis Ende dieses Jahres wollen die Autoren der von Hewlett-Packard unterstützten Website immerhin zu fast 500 Arten Material bereitstellen, zu finden über den englischen oder lateinischen Artnamen oder die alphabetische Gesamtliste.

Neben der einzigen bekannten Filmsequenz des mittlerweile ausgestorbenen tasmanischen Tigers, der eigentlich ein Beutelwolf ist, gibt es bereits jetzt einen balzenden Handfisch und andere beeindruckende Aufnahmen zu sehen. Zusätzlich zum Bildmaterial werden wichtige Informationen über Biologie, Verbreitung, Lebensraum und Gefährdung der jeweiligen Art angeboten.

Ein eigenes Kapitel über die bedrohte Tierwelt Großbritanniens befindet sich im Aufbau. Darüber hinaus informiert Wildscreen Trust in Zusammenarbeit mit der britischen Landwirtschafts- und Umweltbehörde DEFRA in einem Pilotprojekt über die stark bedrohte Tiergruppe der Korallen (www.arkive.org/coral/Coral/coral.html). Unter dem Menüpunkt »Identifying corals« hilft eine interaktive Anleitung bei der Bestimmung lebender Korallen oder ihrer Skelette.

Die Kinderversion www.planetarkive.org/navigation/sitemap.jsp der ARKive-Seite beantwortet einfache Fragen nach Nahrung, Größe und Nachwuchs eines Tieres kindgerecht mit vielen Bildern, sodass sich der Besuch des Archivs trotz der englischen Sprache auch für sieben- bis elfjährige deutsche Schüler lohnt. Allerdings ist die Seite inhaltlich noch lückenhaft und technisch weniger ausgereift als ihr Pendant für Erwachsene.

Unter http://www.arkiveeducation.org/navigation/sitemap.html@g11n.enc=UTF-8 werden Grundschullehrer und interessierte Eltern ergänzend zur Kinderseite mit Unterrichtsmaterialien und Projektideen versorgt. In einem Experiment können Schüler beispielsweise nachvollziehen, dass sich die Schnabelform eines Vogels im Lauf der Evolution an das bevorzugte Futter angepasst hat.

Alles in allem steckt viel Potenzial in der virtuellen Arche Noah von Wildscreen Trust. Bisher genügt sie ihrem Anspruch, eine zentrale digitale Bibliothek für alle bedrohte Arten zu sein, allerdings noch nicht.

Aus: Spektrum der Wissenschaft 10 / 2003, Seite 103
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
10 / 2003

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 10 / 2003

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