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Wissenschaft Im Internet: Landkarten aus dem Internet

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte - selbst gemachte Karten visualisieren raumbezogene Daten.


Ein geografisches Informationssystem (GIS) verhält sich zu einer konventionellen Landkarte wie eine Datenbank zu einem Karteikästchen. Professionelle GIS – wie sie Behörden und Firmen häufig einsetzen – sind komplexe Programme, die räumliche Daten erfassen, verarbeiten und darstellen. Online-GIS dagegen beschränkt sich hauptsächlich auf die Darstellung. Im Internet kann damit jeder, auch ohne große Vorkenntnisse und spezielle Software, einfach Karten herstellen. Wer allerdings über keine einigermaßen schnelle Internetverbindung verfügt, sollte sich auf frustrierende Wartezeiten gefasst machen.

Die Cornell-Universität im US-Bundesstaat New York erfasst seit 1995 die gesamte Erdoberfläche digital. Unter http://atlas.geo.cornell.edu kann man von jedem beliebigen Flecken der Erde eine Karte erstellen; sogar Pisten durch die Sahara sind eingezeichnet. Es genügt, mit der Maus das entsprechende Gebiet auf der Weltkarte einzugrenzen. Als Reiseführer sind die Karten natürlich nicht geeignet, aber für einen schnellen Überblick reichen sie allemal. Mit Hilfe eines übersichtlichen und benutzerfreundlichen Menüs kann man auswählen, welche Signaturen – etwa Straßen oder Städte – man sich in der Karte anzeigen lassen will.

Der U.S. Geological Survey stellt auf http://geode.usgs.gov kostenlos Geodaten ausgewählter Weltgegenden zur Verfügung. Man hat die Auswahl zwischen 67 Großraumkarten, von Südamerika über Taiwan bis zum Balkan. Mit einem speziellen Tool kann man die Karte vergrößern oder verkleinern, kleinere Bereiche auswählen und je nach Interesse verschiedene Inhalte aktivieren. Die Informationen gehen sehr ins Detail. So zeigt die Karte von Südflorida auf Anforderung neben allgemeinen geografischen Signaturen wie Verkehrswegen oder Vegetation auch Gefängnisse, Spitäler und sogar die Schneisen der Zerstörung, die Hurrikans in den vergangenen Jahren geschlagen haben. Angehende San-Francisco-Touristen können sich in der entsprechenden Karte die Orte mit der schönsten Aussicht anzeigen lassen oder den Lebensraum des Weißkopfseeadlers.

Vielfältiges aus dem polaren und subpolaren Bereich bietet das Umweltprogramm der Vereinten Nationen in Arendal (Norwegen) auf http://maps.grida.no. Wer wissen will, wie viel Niederschlag in Grönland oder in Alaska fällt, klickt sich in den interaktiven »Arctic Environmental Atlas«. Die Karte »Greenhouse Gases Kyoto Protocol« ist ein in die Zukunft projiziertes Sündenregister: Je röter das Land dargestellt ist, desto stärker weicht es von seinen guten Emissionsvorsätzen ab. Obendrein enthält die Website noch eine Vielzahl an Karten mit verschiedensten Inhalten, die allerdings online nicht bearbeitet werden können.

Ebenso nur zum Anschauen sind die Karten, welche die Universität von Texas in Austin von allen Ländern der Welt von Afghanistan bis Zimbabwe zur Verfügung stellt (abrufbar über http://SunSITE.Informatik.RWTH-Aachen.DE/Maps/). Militärgeschichtlich Interessierte finden hier ein reichhaltiges Archiv an Karten zum amerikanischen Bürgerkrieg und anderen historischen Ereignisse.

Wer in die Welt der professionellen GIS-Anwendungen hineinschnuppern will, kann die Seite des Environmental Systems Research Institute (http://www.esri.com) abrufen. Die Firma ESRI in Redlands (Kalifornien) ist Weltmarktführer im Bereich Software für computergestützte GIS. Man findet hier Links zu weiteren Online- GIS-Anwendungen, so zum Online-Atlas von Kanada (http://atlas.gc.ca), der unter anderem über die Rauchgewohnheiten, die Geschichte oder das Durchschnittseinkommen der Kanadier Auskunft gibt. Sehenswert ist auch die Rubrik »Global Warming«, hier kann man Weltkarten mit Prognosen der Temperatur- und Niederschlagsveränderung bis ins Jahr 2100 herunterladen.

Deutschsprachige Seiten zum Thema sind leider Mangelware. Als kleine Entschädigung gibt es unter www.gis-tutor.de zumindest einen theoretischen Überblick zum Thema, mit speziellen Informationen zu GIS im Internet.

Aus: Spektrum der Wissenschaft 2 / 2003, Seite 96
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
2 / 2003

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 2 / 2003

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