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Wissenschaft im Internet: Museumsbesuche der anderen Art



Wissenschafts-Museen informie-ren im Internet nicht nur über Öffnungszeiten, Eintrittspreise und aktuelle Sonderausstellungen. Viele Museen nutzen darüber hinaus die spezifischen Möglichkeiten des neuen Mediums und bieten Dienste an wie das effiziente Suchen in Archiven, das Abspielen von Filmbeiträgen, das interaktive Experimentieren oder den virtuellen Besuch von Ausstellungen. Sie bieten so dem Besucher ihrer Homepage eine Alternative zu einem wirklichen Besuch.

Das Deutsche Museum präsentiert sich mit einer übersichtlich gestalteten und inhaltsreichen Homepage (www.deutsches-museum.de). Die Urheber haben keinen Aufwand gescheut, um dem virtuellen Besucher das Museum im Herzen Münchens in seiner ganzen Größe und mit der Fülle der dort gezeigten Exponate auf den Bildschirm zu bringen. Dabei wird er nicht zum passiven Betrachter degradiert. Mehrere wissenschaftliche Experimente lassen sich – virtuell – am eigenen Computer durchführen: So kann der Besucher per Mausklick uranhaltige Gebrauchsgläser unter einer UV-Lampe zum Fluoreszieren bringen. In einem anderen Versuch erfährt man, dass der größte Teil der Strahlung einer Glühbirne für uns unsichtbar im infraroten Bereich des Spektrums liegt. Videoclips zeigen das Innenleben des Unterseeboots U1 aus dem Jahre 1906 oder Kaiser Wilhelm II., wie er am 13. November 1906 in einer Kutsche mit Prinzregent Luitpold von Bayern holpernd zur Grundsteinlegung des Deutschen Museums fährt. Mit Hilfe der Maus bestimmt der virtuelle Besucher auf Rundumaufnahmen der verschiedensten Ausstellungsräume die Blickrichtung selbst und kann so die einzelnen Exponate genauer unter die Lupe nehmen. Eine Online-Recherche erlaubt zudem eine gezielte Suche in den 120000 Titeln der hauseigenen Bibliothek und der Bayrischen Verbundsbibliothek. So macht Surfen Spaß!

In einem wahren Fundus kann man auf der Homepage des Museum of the History of Science (www.mhs.ox.ac.uk) wühlen. Das Museum öffnete 1683 in Oxford seine Tore und verfolgt seit mehr als dreihundert Jahren die Entwicklung der Naturwissenschaften aus nächster Nähe. Der virtuelle "Oxford Science Walk" bringt den Besucher zu einer Gedenktafel, welche den Penicillin-Entdecker Alexander Fleming und seine Mitstreiter ehrt, oder zum Wohnhaus von Edmond Halley, der dem Kometen seinen Namen lieh und einen Steinwurf vom Museum entfernt residierte. Sonderausstellungen, die im echten Museum längst wieder abgeräumt sind, gibt es hier weiter zu besichtigen: "The Geometry of War, 1500–1750" zur angewandten Mathematik im Dienste der Kriegführung, über den dänischen Astronomen Tycho Brahe (1546–1601) oder den überraschend großen Einfluss alttestamentlichen Gedankenguts auf das wissenschaftliche Denken noch im 18. Jahrhundert. Mit "Epact" steht dem Besucher ein elektronischer Katalog zur Verfügung, der 520 wissenschaftliche Instrumente des Mittelalters und der Renaissance in Bild und Wort vorstellt.

Den Besonderheiten und Schwierigkeiten der Nahrungsmittelgewinnung und Ernährung in den unterschiedlichen Regionen der Welt widmet sich das Agropolis-Museum im französischen Montpellier. Den Mittelpunkt der Website bildet das "Banquet de l’Humanité" (http://museum.agropolis.fr/expositions.htm). Die Zusammensetzung des Speiseplans von Menschen aus Entwicklungs-, Schwellen- und Industrieländern wird im Vergleich zu den durchschnittlichen Werten der westlichen Nationen grafisch leicht verständlich dargestellt. Man erfährt hier beispielsweise, dass ein Einwohner Ruandas seinen Hunger praktisch nur mit Hülsenfrüchten stillen kann und dabei knapp halb so viel Kalorien zu sich nimmt wie wir. Weiter informiert die Homepage über die Geschichte der Landwirtschaft in unseren Breitengraden und listet mehrere nützliche Links zum Thema auf.

Das Cyber Museum of Neurosurgery betritt man durch die "Entrance Hall", wo man sich mit Fragen an die "Reception Desk" wenden kann. Genau wie bei einem richtigen Museum – nur existiert dieses ausschließlich im Internet (www.neurosurgery.org/cybermuseum/). Die American Association of Neurological Surgeons betreut diese schlicht gestaltete, aber sehr informative Website, die sich vor allem dem Begründer der modernen Gehirnchirurgie, Harvey Cushing (1869–1939), widmet. Zusätzlich finden sich Texte über verschiedene operative Techniken, Fotografien sowie eine Filmsequenz der zweitausendsten Operation von Harvey Cushing. Obwohl dieses Cyber-Museum die Möglichkeiten des Internets zu wenig nutzt, lohnt sich ein Besuch dennoch – gerade für jemanden, der sich für die Geschichte der Neurochirurgie interessiert.

Aus: Spektrum der Wissenschaft 7 / 2001, Seite 113
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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