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Riechen: Wo Düfte ihren Anfang nehmen

Der Sinnesphysiologe Hanns Hatt von der Ruhr-Univer­sität Bochum ist einer der renommiertesten Riechforscher weltweit. In G&G schildert er die spannende Entdeckung der Riechrezeptoren in der Nase. Laut neuer Experimente gibt es diese Duftantennen sogar an ganz unerwarteten Orten im Körper - etwa in der Prostata und im Dickdarm.
Der Sinn, der nie schläftLaden...
Mit jedem Atemzug erreichen uns rund um die Uhr Botschaften unserer Umgebung. Ob eine Rose oder ein verfaulter Fisch – die Nase registriert die Duftmoleküle und sendet entsprechende Informationen ans Gehirn weiter. Das passiert blitzschnell, denn es kann Leben retten: Wenn etwa ein Feuer ausbricht oder ein Essen verdorben ist, warnt uns der Geruchssinn meist früher als Augen und Ohren vor Unheil.
Doch was genau geschieht beim Riechen? Hierfür ist ein etwa fünf Quadratzentimeter großes Stück Schleimhaut ganz oben in der Nasenhöhle zuständig. Dort sind beim Menschen rund zehn Millionen spezialisierte Nervenzellen zu finden: die Riechsinneszellen, deren Fortsätze in den Riechkolben des Gehirns führen. Welche Prozesse in den Sinneszellen selbst ablaufen, war allerdings lange ein Rätsel.
Heute wissen wir, dass die Duftstoffe an Rezeptormoleküle in der Zellmembran der Riechsinneszellen binden. Nach jahrelangen Experimenten identifizierten die amerikanischen Forscher Linda Buck und Richard Axel an der Columbia University in New York 1991 die Gene, welche für die Riechrezeptoren kodieren. Für diese Entdeckung bekamen sie 2004 den Medizin-Nobelpreis ...
Mai 2010

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist Mai 2010

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  • Quellen
Literaturtipp

Hatt, H., Dee, R.: Niemand riecht so gut wie du. Die geheimen Botschaften der Düfte. Piper, München 2010.
Verständliche Einführung in die Welt der Geruchsforschung


Quellen

Braun, T. et al.: Enterochrom­affin Cells of the Human Gut: Sensors for Spices and Odorants. In: Gastroenterology 132(5), S. 1890-1901, 2007.

Buck, L., Axel, R.: A Novel Multigene Family May Encode Odorant Receptors: A Molecu­lar Basis for Odor Recognition. In: Cell 65, S. 175-187, 1991.

Neuhaus, E. M. et al.: Activation of an Olfactory Receptor Inhibits Proliferation of Prostate Cancer Cells. In: Journal of Biological Chemistry 284(24), S. 16218-16225, 2009.

Spehr, M. et al.: Identification of a Testicular Odorant Receptor Mediating Human Sperm Chemotaxis. In: Science 299, S. 2054-2058, 2003.

Spehr, M., Hatt, H.: A Potential Role of Odorant Receptor Agonists and Antagonists in the Treatment of Infertility and Contraception. In: Current Opinion in Investigational Drugs 6(4), S. 364-368, 2005.

Wetzel, C. H. et al.: Specificity and Sensitivity of a Human Olfactory Receptor Functionally Expressed in Human Embryonic Kidney 293 Cells and Xenopus laevis Oocytes. In: Journal of Neuroscience 19, S. 7426-7433, 1999.

Zhao, H. et al.: Functional Expression of a Mammalian Odo­rant Receptor Repertoire. In: Science 279, S. 237-242, 2008.