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Wissenschaftsgeschichte: Zoff im Elfenbeinturm

Aus dem Englischen von Anna Schleitzer VCH-Wiley, Weinheim 2000. 245 Seiten, DM 48,–


Mit der Wissenschaft ist es wie mit dem Leben. Was macht sie interessant? Das Neue, das gesucht und gefunden wird. Was macht sie schmackhaft? Der deftige Disput. Der amerikanische Wissenschaftsjournalist Hal Hellman hat zehn der größten neuzeitlichen Wissenschaftsdispute episodenhaft in einem Buch versammelt, und es ist ihm gelungen, auf dem schmalen Grat zwischen wissenschaftlicher Authentizität und Vermittlung von Lesespaß zu bestehen. Seine Aufbereitung bedeutender Streitfälle ist brav ("Urban VIII. gegen Galilei") bis brillant ("Wegener gegen alle: Die Kontinentaldrift"); allein die Auswahl seiner Top Ten erscheint nicht ganz einsichtig. Geht es hier wirklich um die "lebendigsten" jemals ausgetragenen wissenschaftlichen Dispute? Wo bleibt dann der zwischen Einstein, Schrödinger, Bohr und Heisenberg ausgetragene Streit um die Kopenhagener Deutung der Quantenmechanik? Oder geht es um eine möglichst breite Themenstreuung – warum aber bleiben dann ganze Fachbereiche ausgespart? Gab es in der Chemie etwa nie nennenswerte Kontroversen?

In jedem Fall ist der Anekdotenzyklus lesenswert, vor allem weil Hellman am Ende eines jeden Kapitels – ob es sich nun um Infinitesimalrechnung, Fossilien oder Gene dreht – den historischen Streitfall noch einmal mit dem heutigen Stand der Dinge in Beziehung setzt. Und so vermittelt er nicht nur historisches, sondern auch aktuelles Wissen.

Aus: Spektrum der Wissenschaft 1 / 2001, Seite 105
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
1 / 2001

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 1 / 2001

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