Direkt zum Inhalt
Login erforderlich
Dieser Artikel ist Abonnenten mit Zugriffsrechten für diese Ausgabe frei zugänglich.

Zoologie: Der mysteriöse Dingo

Dingos entziehen sich der zoologischen ­Kategorisierung. Weder domestiziert noch ­vollkommen wild, gehen die Nachkommen von Hunden in Australien ihre eigenen Wege.
Australischer Dingo im Outback von Queensland

Dingos sind tief in der Kultur Australiens verwurzelt. In traditionellen Erzählungen der Aborigines über die so genannte Traumzeit, die von der Erschaffung der Welt und der Gesellschaft handeln, werden die Tiere oft mit Menschen gleichgesetzt, die übernatürliche Kräfte besitzen und wichtige moralische Prinzipien verkörpern. Ungeachtet ihrer kulturellen Bedeutung blieb der evolutionäre Ursprung der Dingos bis heute ein Mysterium.

Etliche Traumzeit-Geschichten sind mit spezifischen Landschaftselementen verknüpft. Eine handelt von einem alten Mann namens Ilbad, der mit seinen beiden Kindern, dem Jungen Aidjumala und dem Mädchen Maidjuminmag, im australischen Busch kampiert. Nachdem sie einen Waran gefangen und verspeist haben, legen sie sich schlafen. Doch die Kinder sind noch hungrig und kauen auf den Knochen herum, so dass sie durch das Knirschen ihren Vater wecken. Dieser wirft schimpfend einen Stock nach ihnen. Dabei trifft er Maidjuminmags Arm und bricht ihn ihr; das Mädchen weint. Ilbad schleudert nun einen Knüppel zu Aidjumala; der Junge jault auf wie ein Hund. Die beiden Kinder laufen weg; der alte Mann kann sie nicht mehr einholen, um ihnen zu sagen, wie leid es ihm tut.

Die Kinder verwandeln sich daraufhin in Hunde (oder Dingos, wie es wohl in der ursprünglichen Fassung hieß). Unter einem großen Banyanbaum rasten sie eine Weile, graben ein tiefes Wasserloch und wälzen sich darin. Sie verlassen den Ort und beschließen, dass das Wasserloch fortan als Quelle für Menschen, auch für ihren Vater, dienen soll.

Die Geschichte von Aidjumala und Maidjuminmag gehört zu einem Mythos, der von weiteren Abenteuern des Paares handelt …

Kennen Sie schon …

Spektrum - Die Woche – 42/2021

Einerseits profitieren Männer von traditionellen Geschlechterrollen, andererseits fördern diese psychische Probleme bei ihnen. Wie sich die Männlichkeit verändert, besprechen wir in dieser Ausgabe. Weitere Themen sind die Rechenkünste der Neandertaler und rettendes Vulkangestein.

Spektrum - Die Woche – 40/2021

In dieser Ausgabe widmen wir uns ausführlich den in dieser Woche verkündeten Nobelpreisen: Es geht um Klima, Komplexität und Katalysatoren – aber auch Gefühle kommen nicht zu kurz! Außerdem begleiten wir einen Insektenforscher auf der Jagd nach einem besonderen Schädling.

Spektrum - Die Woche – 39/2021

Wenn Tiere Inseln besiedeln, wachsen sie oft zu einer stattlichen Größe heran. Oder es passiert das genaue Gegenteil. Es ist ein seltsames Spiel der Evolution. In dieser Woche geht es außerdem um den echten James Bond, einen kriegerischen Haufen und noch etwas. Vergessen. Aber das ist normal.

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

  • Quellen

Arendt, M. et al.: Diet adaptation in dog reflects spread of prehistoric agriculture. Heredity 117, 2016

Axelsson, E. et al.: The genomic signature of dog domestication reveals adaptation to a starch-rich diet. Nature 495, 2013

Ballard, J., Wilson, L.: The Australian dingo: untamed or feral? Frontiers in Zoology 16, 2019

Balme, J. et al.: New dates on dingo bones from Madura cave provide oldest firm evidence for arrival of the species in Australia. Scientific Reports 8, 2018

Cairns, K. C., Wilton, A. N.: New insights on the history of canids in Oceania based on mitochondrial and nuclear data. Genetica 144, 2016

Clarkson, C. et al.: Human occupation of northern Australia by 65,000 years ago. Nature 2017

Darwin, C. R.: The variation of animals and plants under domestication. John Murray, 1868

Jackson, S. M. et al.: The wayward dog: Is the Australian native dog or dingo a distinct species? Zootaxa 4317, 2017

Johnston, A. M.: Uncovering the origins of dog-human eye contact: dingoes establish eye contact more than wolves, but less than dogs. Animal Behaviour 133, 2017

Lorenz, K.: So kam der Mensch auf den Hund. dtv, 1950

Meyer, F. A.: Systematisch-Summarische Uebersicht der neuesten Zoologischen Entdeckungen in Neuholland und Afrika. Dykische Buchhandlung, 1793

Miklósi, Á. et al.: A simple reason for a big difference: wolves do not look back at humans, but dogs do. Current Biology, 2003

Parker, M. A.: Bringing the dingo home: discursive representations of the dingo by Aboriginal, colonial and contemporary Australians. PhD thesis, University of Tasmania, 2006

Sacks, B. N. et al.: Y chromosome analysis of dingoes and Southeast Asian village dogs suggests a Neolithic continental expansion from Southeast Asia followed by multiple Austronesian dispersals. Molecular and Biology and Evolution 30, 2013

Shipman, P.: What the dingo says about dog domestication. Anatomical Record 304, 2021

Smith, B. (Hg.): The dingo debate. Origins, behavior and conservation. CSIRO, 2015

Smith, B. P. et al.: Taxonomic status of the Australian dingo: the case for Canis dingo Meyer, 1793. Zootaxa 4564, 2019

Surbakti, S. et al.: New Guinea highland wild dogs are the original New Guinea singing dogs. PNAS 117, 2020

vonHoldt, B. M. et al.: Genome-wide SNP and haplotype analyses reveal a rich history underlying dog domestication. Nature 464, 2010

vonHoldt, B. M. et al.: Activity of genes with functions in Human Williams-Beuren Syndrome is impacted by mobile element insertions in the gray wolf genome. Genome Biology and Evolution 10, 2018