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Skalierungsfehler: Zu Gast bei Liliputanern

Ein Floh ist bewundernswert - aber nicht für seine Sprunghöhe. Und Gulliver war nicht entfernt so verfressen, wie die Liliputaner glaubten.
Gulliver
Als der schiffbrüchige Gulliver auf der Insel Liliput strandet, binden ihn deren Bewohner sicherheitshalber mit Fäden am Boden fest, denn sie sind nur sechs Zoll groß, also etwa ein Zwölftel der Größe heutiger Menschen. Da sie ihren Gefangenen nicht verhungern lassen wollen, bringen sie ihm aus ihrer Küche einige Portionen. Wie viele? Wir rechnen: Bei maßstäblicher Vergrößerung im Längenverhältnis 12 verhalten sich die Volumina wie 123 = 1728. Der Mensch hat damit die etwa 1728-fache Masse eines Liliputaners. Also vermuten wir, dass Gulliver 1728 Liliput-Mahlzeiten essen sollte.

In dem satirischen Roman von Jonathan Swift, der entgegen seiner ursprünglichen Intention heute vorwiegend als Kinderbuch genutzt wird, beklagen in der Tat die Günstlinge des Kaisers, dass ihr Gast so viel verzehre wie 1724 Einheimische. Anscheinend wollte Friedrich Kottenkamp, der Übersetzer der deutschen Ausgabe von 1843, diesen kleinen Rechenfehler korrigieren – und schrieb 1824 statt 1724.

"Tatsächlich" – was immer dieses Adverb in der erfundenen Variante einer erfundenen Geschichte bedeuten mag – genügten Gulliver schon rund 270 Portionen, um satt zu werden. Wieso? Das soll nun etwas näher beleuchtet werden...

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