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Gesellschaft: Die neuen Reichen

Mit dem Aufkommen des Königtums fürchteten die Mächtigen der Stämme um ihren Einfluss. Bald aber erkannten sie, wie sie die neuen Verhältnisse zu ihrem Vorteil nutzen konnten – und die Schere zwischen Arm und Reich öffnete sich immer weiter.

Als die Einwohner der israelitischen Stadt Sichem den Plan fassten, einen König zu wählen, kursierte laut dem Alten Testament folgende Fabel (Richter 9, 7 – 15): Eines Tages seien die Bäume zusammengekommen, um sich einen König zu wählen. Zunächst trugen sie dieses Amt dem Ölbaum an, da dieser sehr nützlich ist, denn er bringt dem Menschen das Öl für Speise, Reinigung und Beleuchtung. Aber der Ölbaum lehnte ab, denn er wollte diesen Nutzen nicht aufgeben um "über den Bäumen zu schweben". Ebenso verhielt sich der Feigenbaum, der die Menschen mit süßer Speise versorgt. Dritter Kan­didat war der Rebstock, stellte mit Wasser verdünnter Wein doch das bekömmlichste Getränk seiner Zeit dar. Aber auch dieser wollte aus besagtem Grund nicht. So fiel die Wahl schließlich auf den Dornbusch, der weder Schatten spendet noch Früchte trägt. Die Botschaft der Fabel lautete also: Ein König ist wie ein Dornbusch – schlicht überflüssig.

Diese Geschichte entstammte dem 10. vorchristlichen Jahrhundert, als in Juda und Israel die Monarchie aufkam – offenbar fand die Übertragung von Machtbefugnissen in eine Hand nicht nur Befürworter. Vermutlich wurde die Fabel in die Zeit vor den ersten Königen zurückgedacht, um ihre Botschaft deutlicher zu machen. Widerstand kam natürlich von jenen Angehörigen der Elite, die Macht einbüßten. Doch gerade sie sollten letztlich vom Königtum profitieren, denn nun kam eine Entwicklung in Gang, an deren Ende sich die zuvor egalitäre Gesellschaft Palästinas in zwei Klassen aufgespalten hatte. ...

Spezial Archäologie - Geschichte - Kultur 4/2015

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Spezial Archäologie - Geschichte - Kultur 4/2015

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