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Das perfekte Leben: 150 Jahre ewige Jugend

Gesund und halbwegs glücklich alt werden, so wünschen sich die meisten Menschen ihr Dasein. Osten und Westen unterscheiden sich allerdings darin, was sie für das ideale Maß halten.
EIne alte Asiatin läuft glücklich lächelnd am Stock

Angenommen, Sie könnten es sich selbst aussuchen: Wie intelligent wären Sie gerne? Wie gesund, glücklich, frei? Und wie alt würden Sie gerne werden – vorausgesetzt, Sie verfügen über ewige Jugend? Diese Fragen beantworteten kürzlich rund 8500 Menschen in 27 Ländern. Wie der australische Psychologe Matthew Hornsey und sein Team jetzt in der Fachzeitschrift »Psychological Science« berichten, unterschieden sich die Wünsche der Menschen je nach Herkunft.

Von Freiheit und Gesundheit wünschten sich die Befragten am meisten, weniger jedoch Glück und Spaß. Doch sie wollten negative Erfahrungen nicht komplett aus ihrem Leben ausschließen: »Im Schnitt strebten sie nach 70 bis 80 Prozent«, stellten die Forschenden fest. Auch in Sachen Intelligenz übertrieben nur wenige. Befragte aus Deutschland wählten im Schnitt einen Intelligenzquotienten von 121, jene aus den USA immerhin schon einen IQ von 134 – der Höchstwert unter allen Ländern. Ähnlich war es beim Todeszeitpunkt. Ausgestattet mit ewiger Jugend wollten die Deutschen rund 150 Jahre, die US-Amerikaner 250 Jahre alt werden. Ein noch längeres Leben wünschten sich nur die Spanier: 500 Jahre. Unter den Bedingungen des normalen Alterns hingegen beschieden sich die meisten auf realistische 80 bis 95 Jahre Lebensdauer.

Offenkundig versuchten die meisten nicht einfach, von allem so viel wie möglich zu bekommen. Dem »Maximierungsprinzip« wirke ein anderes entgegen, so deuten es die Autoren: das Prinzip der Moderation, das viele ostasiatische Philosophien und Religionen pflegen. Sie fassten jene Länder zusammen, in denen Buddhismus, Konfuzianismus, Hinduismus, Jainismus oder Taoismus vorherrschten, und stellten sie den übrigen gegenüber, darunter Europa, Russland und der amerikanische Kontinent sowie die Philippinen und Indonesien. Durchgängig zeigte sich dasselbe Muster. Letztere wünschten sich mehr des Guten. So wollten sie im Mittel 150 Jahre leben – ein halbes Jahrhundert länger als jene fernöstlicher Herkunft. Besonders ausgeprägt war der Unterschied zwischen den Kulturen bei armen und weniger gebildeten Menschen.

Der Unterschied trat auch nur bei den Fragen nach dem eigenen perfekten Leben auf, nicht aber, wenn es um ideale Werte der Gesellschaft ging, etwa deren Freiheit. Deshalb sei der kulturelle Unterschied nicht einfach mit einer stärkeren oder schwächeren Tendenz zu Extremen zu erklären. Vielmehr gelte das Prinzip der Moderation und Bescheidenheit in bestimmten Kulturen besonders für das eigene Leben.

Diese Wertegemeinschaften verbinde eine »holistische«, also ganzheitliche Orientierung. Dahinter stecke unter anderem das dialektische Prinzip, wonach gegensätzliche Kräfte einander voraussetzen und ergänzen – und nicht wie in westlichen Kulturen miteinander konkurrieren. Aus holistischer Sicht stehen positive und negative Erfahrungen im Fluss; die eine trage stets schon den Kern der anderen in sich. So gesund und glücklich wie nur irgend möglich: Dieses Maximierungsstreben, schlussfolgern die Forscher, sei kein universeller Teil der menschlichen Natur.

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