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Kutschfahrt im 18. Jahrhundert: Mautstraßen steigerten den Reisekomfort

Etwas hatte sich um 1750 in England und Wales verändert. Man reiste viel bequemer und sogar etwas schneller. Dahinter steckte nicht nur bessere Technik, sondern ein neues Mobilitätskonzept.
Eine historische Skizze zeigt eine Pferdekutsche, die von vier Pferden gezogen wird. Der Kutscher sitzt vorne und hält die Zügel, während mehrere Passagiere auf der Kutsche sitzen. Die Kutsche trägt die Aufschrift "Dover" und "London". Im Hintergrund ist eine ländliche Landschaft mit Bäumen und Hügeln zu sehen. Die Zeichnung vermittelt ein Gefühl von Bewegung und Reise im 19. Jahrhundert.
Eine historische Lithografie zeigt eine Kutschfahrt. Das Gefährt war von London nach Dover unterwegs.

Schon Jahrzehnte bevor Menschen mit der Eisenbahn unterwegs waren, wurde das Reisen in England und Wales deutlich komfortabler. Das ermöglichten um 1750 nicht nur fortschrittlichere Kutschen, sondern vor allem mautpflichtige Straßen, die besser gewartet waren als das übrige Wegenetz. Zu diesem Ergebnis kommen Dan Bogart von der University of California in Irvine sowie Alan Rosevear und Leigh Shaw-Taylor von der University of Cambridge im Fachblatt »Explorations in Economic History«.

Für ihre Studie werteten die Forscher fast 100 Reisetagebücher aus, die Männer und Frauen aus dem Adel und der Mitte der englischen und walisischen Gesellschaft zwischen 1660 und 1820 geführt hatten. Aus den Kommentaren ermittelten Bogart und seine Kollegen, mit welchen Gefährten die Menschen reisten, wie sie die Kutschenfahrten erlebten und wie schnell sie unterwegs waren. Zudem rekonstruierten die Wirtschaftshistoriker mithilfe der Reisebeschreibungen den Zustand des damaligen Straßennetzes.

Laut den Tagebüchern wandelte sich das Reiseerlebnis: So hatte sich um die Mitte des 18. Jahrhunderts der Eindruck geändert, die Landstraßen seien in schlechtem Zustand – offenbar waren sie viel besser geworden. Allerdings nicht auf allen Wegen, sondern nur auf solchen, die von sogenannten Turnpike Trusts unterhalten wurden.

Turnpike Trusts übernahmen die Straßenwartung

Weil die Fuhrwerke in England und Wales nur schwer vorwärtskamen, führte das Parlament im 17. Jahrhundert eine Neuerung ein: Straßen mussten nicht mehr ausschließlich von den Gemeinden gewartet werden, sondern ein Verbund privater Anleger, die meist dem Landadel angehörten, konnte diese Aufgabe ebenfalls übernehmen. Der erste Turnpike Trust entstand 1663, der nächste folgte 1695. Anschließend übernahmen immer mehr Trusts die Straßenunterhaltung: »Die Länge der englischen und walisischen Mautstraßen stieg von 1360 Meilen im Jahr 1725 auf 9545 Meilen im Jahr 1760 und auf 17 733 Meilen im Jahr 1790«, schreiben die Wirtschaftshistoriker in ihrer Studie.

Die Entwicklung veränderte auch das Mobilitätsverhalten der Menschen: Um die Mitte des 18. Jahrhunderts waren die meisten Reisenden vom Pferd auf Post- und private Kutschen umgestiegen. Vor allem, weil das Reisen durch die vielen Mautstraßen angenehmer geworden war– und geringfügig schneller. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts fuhr eine Postkutsche mit durchschnittlich vier Meilen pro Stunde, berechneten Bogart und seine Kollegen. Das sind umgerechnet circa 6,5 Kilometer pro Stunde – so schnell läuft ein zügig marschierender Spaziergänger. Dank der Mautstraßen hatte sich ein Jahrhundert später die durchschnittliche Geschwindigkeit jedoch verdoppelt. Die Kutschen fuhren nun vergleichsweise schnell.

  • Quellen
Bogart, D. et al., Explorations in Economic History 10.1016/j.eeh.2026.101748, 2026

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