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2000 Jahre alte Samen: Dattelpalmen aus biblischer Zeit sequenziert

Bei Ausgrabungen entdeckte Dattelpalmensamen erwiesen sich als extrem langlebig: Sie keimten nach über 2000 Jahren und gaben nun ihr genetisches Geheimnis preis.
Dattelpalmen in Abu DhabiLaden...

Die Judäische Dattelpalme galt als ausgestorben, bis vor einigen Jahren Pflanzen aus 2000 Jahre alten Samen nachgezüchtet werden konnten. Das Erbgut dieser wieder zum Leben erweckten Pflanzen haben Forscher in den Vereinigten Arabischen Emiraten nun untersucht. Die genetischen Veränderungen, die die Wissenschaftler bei den insgesamt sieben Pflanzen feststellten, spiegeln womöglich den wachsenden Einfluss der Römer im östlichen Mittelmeerraum wider, berichten sie im Fachmagazin »PNAS«.

Die Judäische Dattelpalme gehört zu den Echten Dattelpalmen (Phoenix dactylifera) und wuchs über Jahrhunderte im östlichen Mittelmeerraum. Im Jahr 2008 berichteten Wissenschaftler über die erfolgreiche Anzucht von Judäischen Dattelpalmen aus rund 2000 Jahre alten Samen. Gepflanzt hatten sie damals 35 Samen, die bei Ausgrabungen gefunden worden waren. Sieben sind gekeimt.

Ein Forscherteam um Michael Purugganan von der New York University untersuchte nun das Erbgut dieser sieben. Alle stammen aus der Judäischen Wüste im heutigen Israel und damit aus der für die Forschung wichtigen Levante-Region zwischen Nordafrika und Westasien. In den Jahrhunderten um die Zeitenwende rangen hier Persien, Ägypten und Rom um Macht und Einfluss.

»Wir haben das Glück, dass die Samen der Dattelpalme in der trockenen Umgebung der Region sehr lange leben können – in diesem Fall mehr als 2000 Jahre – und mit minimalen DNA-Schäden keimen«, sagt Purugganan der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Dattelpalme »Methuselah« (zu Deutsch: Methusalem)Laden...
Dattelpalme »Methuselah« (zu Deutsch: Methusalem) | Diese Palme wurde aus einem Samen gezogen, der 1963 bei Ausgrabungen in der Bergfestung Masada im heutigen Israel gefunden wurde. Er war laut Datierung 1900 Jahre alt und stammte wahrscheinlich aus den Nahrungsvorräten der Zeloten, die im Jüdischen Krieg ab dem Jahr 73 n. Chr. von Römern belagert wurden. Heute befindet sich die Palme im Kibbutz Ketura.

Das Alter der Samen wurde mit der Radiokarbonmethode bestimmt, die ältesten stammten aus dem vierten Jahrhundert vor Christus, die jüngsten aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus. Die Untersuchungen zeigten, dass das Erbgut der Pflanzen weitgehend intakt geblieben ist.

Der Vergleich zwischen älteren und jüngeren Pflanzen zeigte, dass die jüngeren (ab 200 v. Chr.) eher den heute in Nordafrika verbreiteten Varianten ähnelten, während die älteren den heute weiter östlich vorkommenden entsprechen. Der Grund dafür könnte in den wechselnden Herrschaftsverhältnissen der Zeit liegen: Als die Levante im Einfluss des neobabylonischen und persischen Reichs stand, wurden die damals dort wachsenden Dattelpalmen Richtung Osten exportiert, wo sie sich zur heute dominanten Sorte entwickelten. Später überwog der politische Einfluss aus dem Westen – etwa der von Rom. Über Handelskontakte gelangten diese Palmen nach Nordafrika und wurden dort zu den Vorgängern der heute verbreiteten Sorten. Das sei zumindest ein plausibles Szenario, heißt es in dem Fachbeitrag.

Außerdem beobachteten sie, dass die etwa auf Kreta wachsende wilde Dattelpalme Phoenix theophrasti schon sehr früh ihre genetischen Spuren im Erbgut der judäischen Palmen hinterließ. Bereits ab 2200 Jahren vor heute sei das der Fall gewesen.

Außer den Dattelpalmen wurden auch andere Pflanzen wieder zum Leben erweckt, unter anderem wurden 1300 Jahre alte Samen der Indischen Lotusblume und rund 30 000 Jahre alte Samen eines Leimkrauts zum Keimen gebracht.

(jad)

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