Direkt zum Inhalt

Klimawandel: 2100 kaum noch Permafrost in der Arktis?

Steigen die Kohlendioxidemissionen ungemindert weiter, könnte bis zur nächsten Jahrtausendwende die Fläche heutiger Permafrostgebiete auf ein Zehntel schrumpfen. Selbst unter der Annahme weit reichender Maßnahmen zur Emissionsreduktion bliebe bis dahin nur noch ein gutes Viertel übrig, prognostiziert ein ausgeklügeltes Klimamodell.

Permafrost-AusdehnungLaden...
Permafrost-Ausdehnung | Die Ausdehnung der Permafrostgebiete 1980-1999 (hellblau) und 2080-2099 (dunkelblau): Durch die globale Erwärmung könnte die Fläche bis zur Jahrtausendwende auf ein Zehntel schrumpfen – mit nicht absehbaren Folgen für die Lebewelt und die weitere Klimaentwicklung.
David Lawrence vom Staatlichen Zentrum für Atmosphärenforschung der USA und Andrew Slater von der Universität von Colorado in Boulder nutzten ein Klimamodell, das Wechselwirkungen von Atmosphäre, Ozeanen, Landoberflächen und Meereis sowie den Einfluss von Frostwechseln im Boden berücksichtigt. Damit simulierten sie die Entwicklung des Permafrosts in verschiedenen Bodentiefen bis 3,43 Meter bei unterschiedlichen Treibhaus-Szenarien angelehnt an die Daten des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC). Neben dem endgültigen Auftauen weiter Flächen ermittelten sie auch, dass der Abfluss aus der Arktis ins Meer bis 2100 um 28 Prozent steigen könnte, ausgelöst durch höhere Niederschläge als auch Eisschmelze in den Böden. Seit den 1930er Jahren beobachteten Forscher bereits eine Zunahme um sieben Prozent.

ThermokarstLaden...
Thermokarst | Thermokarst in Aktion: Weil die Eislinse im Untergrund geschmolzen ist, brach der Boden ein.
Permafrostböden bestehen aus einer aktiven Oberflächenschicht, die im Jahreswechsel tauen und frieren, sowie einer tiefen Schicht, die seit Ende der letzten Eiszeit gefroren ist. Zahlreiche Studien zeigten bereits für Alaska und Sibirien vermehrt auftauende Böden an – mit gravierenden Folgen für die Lebewelt. Aber auch Infrastruktur und Industrie spüren die Eisschmelze: So manches Bodenstück fällt in sich zusammen, weil der stabilisierende Eiskern im Untergrund verschwunden ist – die Folgen reichen von Fahrbahnlöchern auf Straßen bis zu instabilen Häusern und Überland-Pipelines. Hinzu kommt die massive Freisetzung von Kohlendioxid, die den Klimawandel weiter anheizt.
21.12.2005

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 21.12.2005

Lesermeinung

1 Beitrag anzeigen

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

Partnervideos