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Kalifornien: 250 Jahre alte Lehrlingsstücke

250 Jahre alte Lehrlingsstücke
Dass die Chumash-Indianer fein gearbeitete Perlen aus Schneckenhäusern als Zahlungsmittel nutzten, war Forschern bereits bekannt. Ungewöhnliche Exemplare solcher durchlochter Scheiben zeigen aber nun, wie die Kunst der Herstellung von der einen an die nächste Generation weitergegeben wurde.

Bei diesen fehlerhaften Perlen ... | ... handelt es sich anscheinend um die Lernversuche von Lehrlingen, in der Regel Kinder oder Jugendliche.
Unter tausenden von bis zu 250 Jahre alten Perlen aus Chumash-Siedlungen auf den Channel Islands vor der Südküste Kaliforniens entdeckten Archäologen nämlich mehr als 300 fehlerhafte: Statt einer zentralen Bohrung waren sie gleich an mehreren Stellen durchlöchert. Die ungeschliffenen Ecken und Kanten lassen die flachen Perlen zudem unfertig erscheinen. Bisher dachten Forscher, dass es sich dabei wohl um missglückte Versuche der Perlenschneider handelt.

Jeanne Arnold von der University of California vermutet indes, dass diese Schalenteile einst Übungsstücke waren, an denen Kinder und Jugendliche das Handwerk erlernten. "Die Perlen sehen aus, als sei immer wieder an ihnen geübt worden", meint die Archäologin. Vermutlich waren die wertvollen Stücke ohnehin zu Bruch gegangen – und erfüllten so für die Lehrlinge noch einen Zweck.

Die sauber geformten Perlen hingegen ... | ... dienten bei den Chumash-Indianern als Währung.
Die Chumash-Indianer stellten die Perlen aus dem Gehäuse der im Meer lebenden Olivenschnecke Olivella biplicata her. Die Schalen wurden zerschlagen und die Bruchstücke mit Hilfe von Steinen rund gefeilt. Anschließend durchbohrte man die Perlen, hängte sie in Reih und Glied auf einen Zweig und schliff Unebenheiten im ganzen Stapel ab.

Miriam Jolien Blümel

Journal of Archaeological Method and Theory 2011 (im Druck)

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