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Zertrümmerter Schädel

6000 Jahre altes Tsunami-Opfer?

Seit Jahrtausenden fürchten Menschen die gigantischen Flutwellen, die auf schwere Erdbeben folgen. Eine Fundstelle zeugt von einer prähistorischen Katastrophe.
Riesenwelle

Eine über zehn Meter hohe Flutwelle traf am 17. Juli 1998 die Stadt Aitape an der Nordküste Papua-Neuguineas, zerstörte mehrere Küstendörfer völlig und tötete mehr als 2000 Menschen. Doch sie waren keineswegs die ersten Opfer dort: Laut einer Arbeitsgruppe um James Goff von der University of New South Wales in Sydney gehörte ein nahe Aitape gefundener Kopf zu einem Menschen, den möglicherweise das gleiche Schicksal ereilte – vor 6000 Jahren.

Karte des Fundorts an der Nordküste von Papua-Neuguinea und Foto des Schädelrests
Fundort des Schädels von Aitape

Wie das Team in "PLoS One" berichtet, lag das Schädelfragment etwa zwölf Kilometer im Landesinneren in den Sedimenten eines Mangrovensumpfs. Allerdings erwies sich die Fundschicht als ungewöhnlich: Die vier Schädelteile ruhten in einer ausgewaschenen Senke, die Muschelschalen, Teile von Land- und Wasserpflanzen, Kalkalgen und Sand enthielt. Etwa sechs Meter dicke Sedimente lagen über dem Fundort, als die Fragmente 1929 gefunden wurden. Ursprünglich hatten die Fachleute die Senke als aus dem unteren Pleistozän stammend, also einige hunderttausend Jahre alt eingeschätzt, so dass der Schädel im Zentrum einer Debatte um frühe Menschen in Asien stand. Radiokarbonmessungen jedoch zeigten, dass die Überreste nicht älter als etwa 6000 Jahre alt waren – daraufhin ließ das Interesse ein wenig nach.

Die neue Studie von Goff und seinen Kollegen befasste sich nun mit den bisher vernachlässigten Sedimentschichten, in denen der alte Schädel lag. Das Material, so die Forscher, ist gröber als die Sedimente des Mangrovensumpfs und ähnelt auffällig jenem Material, das sich nach dem Tsunami von 1998 im Hinterland der Küste abgelagert hat. Als besonders aufschlussreich beschrieb das Team die Foraminiferen, einzellige Algen mit charakteristischen Kalkgehäusen. Neben Flachwasserarten fanden sie in der Schicht mit den Schädelteilen auch solche aus sehr tiefem Wasser – zu tief, um von einem Sturm aufgewirbelt worden zu sein, aber ohne Weiteres in Reichweite von Tsunamis. Ob allerdings die Schädelteile tatsächlich von einem Tsunami-Opfer stammen oder nur zufällig mit ihnen zusammentrafen, lässt sich aus den Funden nicht ablesen.

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