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Permafrost: 7000 Gasblasen wölben sich in Sibirien auf

Sibiriens Permafrost taut auf, und der Untergrund wird instabil. Tausende Methanblasen könnten in den nächsten Wochen und Monaten platzen.
Senkloch-Seen in Sibirien

In den letzten Jahren tauchten immer wieder mysteriöse Krater in Sibirien auf, die sich mit Wasser füllten und wegen ihres dunklen Aussehens "Schwarze Löcher" genannt wurden. Verursacht wurde das Phänomen wahrscheinlich durch die Explosion von Methanblasen, die sich im Untergrund gebildet hatten, bis der Druck zu groß wurde und sie sich schlagartig entleerten. Ereignisse dieser Art scheinen auf den betroffenen Halbinseln Jamal und Taimyr in Nordrussland regelmäßig vorzukommen, denn die Region ist übersät mit runden Seen. Die Rate, mit der sie sich bilden, scheint mittlerweile jedoch in die Höhe zu schnellen. Während auf der ebenfalls betroffenen Bely-Insel nördlich von Jamal im Jahr 2016 nur 15 Methangasblasen im Untergrund gezählt werden konnten, meldet die Zeitung "Siberian Times" unter Berufung auf Alexey Titovsky von der Wissenschaftsbehörde der Region nun 7000 derartige Aufwölbungen. "Wir nennen es die zitternde Tundra", wird der Wissenschaftler zitiert.

Ein großer Teil dieser Blasen könnte in den nächsten Monaten explodieren, wenn die Temperaturen steigen und die mikrobielle Methanproduktion im Boden wieder anwächst. Damit gelangt ein sehr potentes Treibhausgas in die Atmosphäre, das rund 30-mal klimawirksamer ist als Kohlendioxid und den Klimawandel vergleichsweise stärker antreibt. Die schlagartige Zunahme dieser Gasblasen führen Geowissenschaftler vor Ort auf den Sommer des letzten Jahres zurück, der überdurchschnittlich warm ausgefallen war: Teilweise herrschten Temperaturen von bis zu 35 Grad Celsius, was für diese weit nördlich gelegene Region sehr außergewöhnlich ist. Dadurch taute nicht nur der Boden stärker auf, auch die Bodenmikroben waren aktiver, die organische Substanzen umwandeln und dabei unter anderem Methan erzeugen. Untersuchungen der Gasblasen zeigten, dass ihr Methangehalt 1000-mal höher lag als in der umgebenden Atmosphäre. Die Kohlendioxidwerte waren immerhin noch um das 25-Fache erhöht.

Wie stark die Explosionen derartiger Blasen ausfallen können, zeigt ein Fall aus dem Jahr 2013: Der Knall war noch 100 Kilometer entfernt zu hören. Gleichzeitig bemerkte ein Beobachter nach dem Knall einen hellen Schein am Horizont, der eventuell von brennendem Gas herrührte. Wahrscheinlich hatte ein Blitzschlag oder Zersetzungswärme das Methan entzündet.

http://www.youtube.com/watch?v=06Xc3LtZRWo
© Environmental Research Centre, Alexander Sokolov
Methanblase

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