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Ernährung: Ab Oktober nehmen wir zu

Ende September sind wir am leichtesten. In den nächsten Wochen werden unsere Pfunde hingegen wuchern - unser Gewicht zeigt einen Jahresgang.
Frau steht auf der WaageLaden...

Ende September, Anfang Oktober erreicht unser durchschnittliches Körpergewicht seinen niedrigsten Stand, in den nächsten Wochen geht es dagegen stetig und steil bergauf – dank der anstehenden Festessen, ausufernder Süßwarenangebote und nachlassender Bewegungsmotivation. Doch während wir uns rasch zusätzliche Pfunde anessen, dauert es deutlich länger, diese wieder loszuwerden, so die Erkenntnis einer Studie von Elina Helander von der Universität Tampere und ihren Kollegen. Das Team hatte die Gewichtsdaten von knapp 3000 US-Amerikanern, Deutschen und Japanern im Jahresverlauf ausgewertet und dabei erstaunliche Parallelen, aber auch einige überraschende Unterschiede entdeckt. Prinzipiell legen alle drei Nationalitäten im Mittel ab Anfang November, spätestens aber ab Dezember deutlich zu, was bei Deutschen und Amerikanern wenig verwundert: Mit dem amerikanischen Thanksgiving und hier zu Lande der Adventszeit beginnt eine Phase der Völlerei, die durch reichlich Süßigkeiten, alkoholische Getränke, Weihnachtsbraten und schließlich dem üppigen Käsefondue an Silvester geprägt ist. Innerhalb weniger Wochen nahmen die deutschen Vergleichspersonen um durchschnittlich 800 Gramm zu – und damit mehr als die US-Amerikaner mit 600 Gramm plus. Doch auch die Japaner, die traditionell Weihnachten nicht feiern, gewinnen in dieser Zeit 500 Gramm an Gewicht.

Mit den Neujahrspfunden und nachlassender Feieraktivität purzeln die Pfunde wieder, bevor Deutsche und Amerikaner mit Ostern auf einen zweiten, jedoch weniger ausgeprägten Höhepunkt zusteuern. Bei Japanern verläuft die Kurve ähnlich, hängt dort aber mit der so genannten Goldenen Woche zusammen, einer landesspezifischen Feiertagsserie. Danach weist der Trend bei allen drei Gruppen abwärts: Trotz zahlreicher Grillfeste – zumindest hier zu Lande und in den USA – sorgen ausreichend Bewegung und der geringere Konsum von Naschereien für eine Gewichtsreduktion, die bis in den Herbst anhält. Es dauert allerdings ausgehend vom Kilogrammhöhepunkt mehrere Monate, bis das Ausgangsgewicht wieder eingestellt ist: Diese Phase zieht sich also deutlich länger hin als die rasche Zunahme und zeigt, wie schwer es ist, Fettspeicher im Körper wieder abzubauen.

Die Studie ist angesichts der Teilnehmerzahl einigermaßen valide, da die Probanden nicht selbst Buch über ihr Gewicht führen mussten: Die Daten wurden von einer Digitalwaage automatisch übertragen. Allerdings schränken die Autoren ein, dass Personen mit einem derartigen Gerät wohl eher auf ihre Figur achten als andere. Dennoch zeigt die Arbeit, dass selbst Menschen mit einem angenommenen bewussten Lebenswandel nicht immun gegen den Feiertagseffekt bei ihrem Körpergewicht sind. Statt auf Neujahrsvorsätze zu bauen, die Abnehmen zum Ziel haben, sollte man sich daher lieber schon vor den Feiertagen vornehmen, einfach weniger zuzunehmen, so die Autoren – zumal die Reduktion verglichen mit dem Gewichtsaufbau so langwierig ist.

41/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 41/2016

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