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News: Aber bitte in Farbe

Die Fotoalben oder Diakästen sind prall gefüllt mit Bildern der letzten Reise - und je besser der Film die natürlichen Farben getroffen hat, desto zuverlässiger wecken die Aufnahmen die eigene Erinnerung. Denn so schön Schwarz-Weiß-Bilder oder so außergewöhnlich Falschfarben-Aufnahmen auch sind, im Gedächtnis hinterlassen sie geringere Spuren.
Grüne Bäume, gelbe Blumen, blauer Himmel, weiße Wolken – die Welt um uns ist bunt. Und rufen wir uns vergangene Ereignisse wieder ins Gedächtnis, so sind sie keineswegs vergilbt wie alte Fotografien, sondern immer noch lebhaft illustriert.

Trotzdem gingen viele Wissenschaftler bisher davon aus, dass Farbe für unser Erinnerungsvermögen keine entscheidende Rolle spielt: Sollten Versuchspersonen bunte oder Schwarz-Weiß-Zeichnungen wiedererkennen, machte die Farbgebung keinen großen Unterschied.

Karl Gegenfurtner von der Universität Gießen sowie Felix Wichmann vom Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik und ihre Kollegen gingen nun jedoch einen Schritt weiter: Sie präsentierten ihren Versuchsteilnehmern eine Reihe von Farb- und Schwarz-Weiß-Bildern aus der natürlichen Umgebung – von den Wiesen und Wäldern um Tübingen über karge Berglandschaften in Utah bis hin zum Auto vor Nachbars Haus. In einem zweiten Durchgang spickten die Forscher dann den Bilderreigen mit zusätzlichen unbekannten Aufnahmen, während die Teilnehmer entscheiden sollten, ob sie ein Bild bereits gesehen hatten oder nicht.

Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen hatten sich offenbar deutlich schlechter im Gedächtnis verewigt als die farbigen Gegenstücke, denn die Freiwilligen erinnerten sich um fünf bis zehn Prozent besser an die bunten Bilder. Um auszuschließen, dass Farbe einfach nur einen stärkeren Reiz für das visuelle System darstellt und daher einen stärkeren bleibenden Eindruck hinterlässt, zeigten die Forscher den Versuchspersonen nun auch Falschfarbenaufnahmen. Doch Farbe allein reicht offenbar nicht aus – bei diesen Bildern schnitten die Teilnehmer ähnlich schlecht ab wie bei den Schwarz-Weiß-Darstellungen.

Hinter der gedächtnisfördernden Wirkung der natürlichen Farbgebung vermuten die Wissenschaftler, dass wir am stärksten auf Reize ansprechen, die wir von unserer Umgebung gewohnt sind. "Wenn Reize zu merkwürdig sind, beschäftigt sich das visuelle System nicht so gründlich damit oder stuft sie als unwichtig ein", erklärt Gegenfurtner.

Die Ergebnisse könnten für die Werbe- und Filmindustrie von großem Interesse sein, meint Wichmann: Soll ein Bildeindruck im Gedächtnis haften bleiben, dann sind unnatürliche Farben offenbar weniger geeignet. Ein Rat, den man vielleicht auch für die nächsten Urlaubsbilder beherzigen sollte.

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