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News: Abgezählt

In Amerika gelten sie als nicht sonderlich schlau, doch Blässhühner lassen sich so leicht nicht täuschen. Zumindest in ihrem Nest behalten sie den Überblick.
Eier
Bis zu 12 Eier liegen in dem Nest, da kommt es auf eines mehr oder weniger doch auch nicht mehr an. In der Tat nimmt es das Amerikanische oder Indianerblässhuhn (Fulica americana), das in Teichen Nordamerikas heimisch ist, nicht sonderlich genau, wo es seine Eier legt: Die meisten landen zwar im eigenen Nest, doch das eine oder andere lässt sich auch den Nachbarn unterschieben. Sollen die sich doch mit dem Nachwuchs plagen.

Damit pflegen die Indianerblässhühner einen interspezifischen Brutparasitismus; sie spielen sozusagen innerhalb ihrer eigenen Art den Kuckuck. Doch dummerweise hat dieser Parasitismus einen Haken: Er trifft auch unmittelbar den Verursacher – wer in Nachbars Nest seine Eier legt, der wird gelegentlich auch Nachbars Eier im eigenen Nest wiederfinden. Und dagegen gilt es sich zu wehren.

Bruce Lyon von der University of California in Santa Cruz interessierte sich ursprünglich gar nicht für den Brutparasitismus, sondern wollte lediglich die Aufzucht der Küken bei den Indianerblässhühnern beobachten. Doch dabei fiel ihm die hohe Verlustrate innerhalb der Blässhuhngelege auf: Aufgrund von Futterknappheit verhungerten über die Hälfte der geschlüpften Jungen, fast jedes Brutpaar verlor mindestens ein Küken.

Lyon vermutete, dass die knappen Nahrungsressourcen viele Brutpaare dazu verleiten, hungrige Mäuler woanders unterzubringen, und zählte daher Tag für Tag die fremden Eier in den Nestern. Die Blässhühner machten es dem Forscher dabei leicht, da sich die Eier in Farbe und Fleckmuster deutlich voneinander unterscheiden.

Dabei bestätigte sich das hemmungslose Ausmaß des Brutparasitismus bei den Blässhühnern: Innerhalb des vierjährigen Beobachtungszeitraums waren 13 Prozent aller gelegten Eier in fremde Nester platziert, 41 Prozent aller Brutpaare hatten "Kuckuckseier" im Nest, im Schnitt stammten drei Eier eines Geleges von fremden Eltern.

Doch ganz so leicht lassen sich Blässhühner nicht täuschen. Wie Lyon beobachten konnte, erkennen die Tiere sehr häufig die Fremdlinge und komplimentieren sie kurzerhand aus dem Nest. Manche Eier schieben sie auch nur an den Nestrand, wo die Überlebenschancen deutlich schlechter sind. Offensichtlich, so vermutet Lyon, sind sich die Blässhühner in ihrer Entscheidung nicht immer ganz sicher, und dann ist es wohl besser, ein vielleicht fremdes Ei nicht komplett hinauszuwerfen.

Dabei halten die Vögel die Zahl der eigenen Eier im Nest erstaunlich konstant: Haben sie Eier als fremd erkannt und beseitigt, dann legen sie weitere, sodass die typische Gelegegröße von acht bis zwölf Stück wieder erreicht wird. Getäuschte Blässhühner verzichten dagegen auf weiteren Nachwuchs und bebrüten stattdessen auch die fremden Eier. Mit anderen Worten: Die Blässhühner zählen ihre eigenen Eier und entscheiden dann über weiteren Legebedarf. Insofern kommt es gelegentlich doch auf ein Ei mehr oder weniger an.

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