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News: Abweichungen im Gehirn autistischer Kinder

Autismus ist eine Störung, die meistens in der frühen Kindheit auftritt. Sie äußert sich durch Schwierigkeiten bei Sozialkontakten und der Kommunikation mit Anderen, repetierendes Verhalten und ungewöhnliche Aufmerksamkeit für einzelne Dinge oder Tätigkeiten. Mit modernen bildgebenden Verfahren haben Mediziner jene Hirnregionen eingegrenzt, die bei autistischen Kindern nicht normal entwickelt sind.
Mit Hilfe der Magnetresonanz-Tomographie (MRT) haben Wendy R. Kates und ihre Kollegen von der Johns Hopkins University School of Medicine, dem Kennedy Krieger Institute und der Stanford University die Gehirne zweier männlicher Zwillinge im Alter von sieben Jahren untersucht. Während einer der beiden schweren Autismus zeigte, war sein Bruder nur leicht gestört. In den Untersuchungen wurden mehrere Bereiche lokalisiert, die beim autistischen Zwilling deutlich kleiner als bei seinem Bruder waren (Annals of Neurology vom Juni 1998). Der nicht-autistische Zwilling wies Verhaltens- und Kommunikationsprobleme auf, die oft bei Familienmitgliedern von Kindern mit Autismus auftreten. Dieser Umstand ermöglichte den Forschern, nach Gehirnregionen zu suchen, die sowohl dem schweren Autismus als auch der abgeschwächten Form der Störung zugrunde liegen könnten.

Die Wissenschaftler verglichen die Zwillinge mit einer Gruppe von fünf Knaben desselben Alters, die weder Autismus noch Verhaltens- oder Kommunikationsprobleme hatten. In beiden Zwillingen fanden sie einige Gehirnbereiche, die kleiner waren als die entsprechenden Zentren der normalen Jungen. Zusätzlich unterschieden sich die beiden Zwillinge untereinander in der Größe anderer Gehirnabschnitte. Diese Ergebnisse scheinen eine kürzlich aufgestellt Theorie zu unterstützen, nach der bei Verwandten autistischer Kinder eine abgeschwächte Form von Autismus auftritt. Sowohl die schwache wie auch die schwere Form der Störung sollen auf den gleichen genetischen Hintergrund zurückzuführen sein.

Autismus ist eine Störung des sich entwickelnden Gehirns, die meistens in der frühen Kindheit auftritt. Man schätzt, daß zwischen zwei und fünf von 1000 Kindern davon betroffen sind. Die Wahrscheinlichkeit, daß Jungen daran erkranken, ist vier Mal höher als bei Mädchen. Eine der Schwierigkeiten bei der Untersuchung von Autismus ist, daß die Störung keine einfach zu definierende Krankheit mit bestimmten Symptomen ist, die bei allen Patienten gleich auftreten. Stattdessen wird Autismus bei Kindern diagnostiziert, die eine Gruppe sich überlappender Merkmale zeigen.

Anscheinend ist jedoch auch eine genetische Komponente an der Störung beteiligt. In einigen Familien tritt Autismus tendenziell häufiger auf, und bei eineiigen Zwillingen hat der nicht-autistische Bruder bzw. Schwester des öfteren einige der sozialen Verhaltens- und Sprachdefizite der Krankheit. Manche Wissenschaftler vermuten daher, daß es eine genetische Abnormalität gibt, die zu den Defiziten führt. Bei dem autistischen Kind, so glauben sie, können andere Schäden am Gehirn (zum Beispiel aufgrund von Komplikationen bei der Geburt) dazu führen, daß die Störung schwerwiegender wird.

Tatsächlich sind bei beiden in dieser Studie untersuchten Zwillingen während der Geburt Schwierigkeiten aufgetreten, die besonders beim autistischen Jungen das Gehirn geschädigt haben könnten. Unter anderem litt er an Kleinhirnblutung und schweren Atemproblemen, die es erforderlich machten, daß er bis zum Alter von sieben Monaten künstlich mit Sauerstoff versorgt werden mußte.

Kates und ihre Kollegen entdeckten, daß der autistische Zwilling im Vergleich zu seinem Bruder eine kleinere Amygdala besaß – eine Struktur, die am Gefühlsleben beteiligt ist – sowie einen kleineren Hippocampus – einen Bereich, der für das Lernen und die Erinnerung entscheidend ist. Sie fanden auch heraus, daß Teile des Kleinhirns, die daran beteiligt sind, die Aufmerksamkeit von einer Aufgabe auf eine andere zu lenken, in ihrer Größe reduziert waren.

Im Vergleich zu normalen Jungen hatten beide Zwillinge einen verkleinerten frontalen Cortex – ein Gehirnabschnitt, der für Organisation, Planung und Problemlösung verantwortlich ist – sowie einen verkleinerten oberen temporalen Gyrus – hier findet die Verarbeitung von Sprache statt.

Doch die Wissenschaftler warnen davor, aus den Resultaten voreilige Schlüsse zu ziehen. "Es ist ein Zwillingspaar", mahnt Kates. "Die Ergebnisse sind sehr vorläufig und müssen in größerem Umfang repliziert werden."

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