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News: Acetylsalicylsäsure als effizienter Thrombose-Verhinderer

Ursprünglich wurde Aspirin als Schmerz- und Rheumamittel eingesetzt. Doch inzwischen ist eine Anzahl weiterer möglicher Einsatzgebiete erschlossen worden, unter anderem bei Herzinfarkten oder instabiler Angina pectoris.
"Aspirin ist für den Arzt, der mit einem Patienten mit akuten Herzproblemen wie instabiler Angina pectoris oder einem Infarkt konfrontiert ist, das erste Mittel, zu dem er greift!" – Dies erklärte Dr. Hans-Jürgen Rupprecht von der II. Medizinischen Klinik der Johannes-Gutenberg-Universität (Mainz) am Dienstag bei einem vom deutschen Pharmakonzern Bayer in Kos (Griechenland) organisierten Presseseminar zum Thema dieses "Jahrhundertmedikaments", das ursprünglich vor allem ein Schmerz- und Rheumamittel war.

So wirkt der Inhaltsstoff Acetylsalicylsäure (ASS) auf die Blutgerinnung und damit auf die Bildung von Thromben (Gerinnseln): ASS stoppt durch die Hemmung des Enzyms Cyclooxygenase die Produktion von Thromboxan-2 der Bluttplättchen. Thromboxan verengt die Arterien und sorgt gleichzeitig dafür, daß sich rote Blutkörperchen, Plättchen und der "Klebstoff" Fibrin zu Gerinnseln verbinden, die eine Herzkranzarterie verlegen und die Sauerstoffversorgung zum Erliegen bringen.

Das klassische Beispiel für die Akut-Wirkung von ASS beim akuten Infarkt: Allein die Gabe von Aspirin im Falle eines Infarkt bringt eine um 23 Prozent höhere Überlebensrate der Patienten. In Kombination mit einer medikamentösen Auflösung des aufgetretenen Gerinnsels sank die Sterblichkeit der Kranken in den ersten Wochen nach dem Infarkt gar um 42 Prozent. Das hat die ISIS-2-Studie bereits vor rund zehn Jahren ergeben.

Eine andere Frage ist die potentielle Anwendung von Aspirin zur Verhinderung eines ersten Infarkts bei Personen ohne diagnostizierte koronare Herzkrankheit. Der deutsche Experte: "Dazu gab es bisher zwei wissenschaftliche Arbeiten. In der US-Ärzte-Studie mit mehr als 22 000 Teilnehmern bekam die Hälfte 325 Milligramm ASS alle zwei Tage oder ein Placebo. Innerhalb von fünf Jahren sank die Rate neu aufgetretener Infarkte in der Aspirin-Gruppe um 44 Prozent. Eine kleinere Studie aus Großbritannien ergab keinen signifikanten Unterschied, allerdings einen günstigen Trend bei der ASS-Gruppe."

Was für Rupprecht derzeit der Stand des Wissens in dieser Infarkt-Primärprävention ist: "Wir müssen noch auf die Ergebnisse der amerikanischen Women's Health Study mit 40 000 Teilnehmerinnen warten, um die Frage beantworten zu können, ob sozusagen jeder Mensch ab einem gewissen Alter zur Infarkt-Prophylaxe ASS (100 Milligramm pro Tag, Anm.) einnehmen sollte. An unserer Klinik empfehlen wir das auch Personen ohne erkennbare Herzkrankheit, wenn sie Risikofaktoren (hoher Cholesterinspiegel, Rauchen, Infarkte bei direkten Vorfahren im frühen Alter, Bluthochdruck etc.) aufweisen. Das gilt für Männer ab 40 und für Frauen ab 50."

Fast schon absolute Pflicht für den behandelnden Arzt ist die Verschreibung von ASS für Kranke nach einem Herzinfarkt. Damit sinkt die Gefahr eines neuerlichen Infarkts um 25 bis 40 Prozent.

Substanzen wie Ticlopidin und Clopidogrel sind neuere Arzneimittel, die ebenfalls die Bildung von Blutgerinnseln verhindern können. Dies tun sie allerdings auf einem anderen Weg als ASS. Bei Ticlopidin – so der deutsche Experte – können allerdings bei ein bis zwei Prozent der Patienten schwere Blutbildveränderungen auftreten.

Das brandneue Clopidogrel, das wie Ticlopidin die Bildung von Thromben über den ADP-Rezeptor verhindert, zeigte allerdings in der Verhinderung weiterer Infarkte bei Herzpatienten (Sekundärprävention) um 8,7 Prozent bessere Ergebnisse als Aspirin – und dies bei ebenfalls wenigen Nebenwirkungen. Zur optimalen Therapie von Hochrisiko-Patienten könnte man – so der deutsche Fachmann – die beiden Mittel in Zukunft kombinieren.

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