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Stammzellforschung: Adulte Stammzellen vielgestaltiger als vermutet?

Für den ständigen Nachschub von Zellen in einem Organ sorgen im Erwachsenenalter offenbar gelegentlich mehrere unterschiedliche Subtypen adulter Stammzellen, berichten Eugenio Sangiorgi und Mario Capecchi von der University of Utah. Damit sind die pluripotenten Zelltypen im Gewebe von Erwachsenen noch deutlich vielgestaltiger als bislang gedacht.

Bisher waren Stammzellforscher davon ausgegangen, dass der gesamte Zellnachschub von einem adulten Stammzelltyp geliefert wird, der für dieses Organ spezifisch ist. Die Erkenntnisse der Experimente von Sangiorgi und Capecchi lassen sich damit aber nur schwer in Einklang bringen. Die Wissenschaftler hatten im Darmgewebe von lebenden Versuchsmäusen nach der Aktivität des Gens Bmi1 Ausschau gehalten, welche charakteristisch für die Präsenz der typischen adulten Stammzellen des Dünndarmepithels ist. Tatsächlich war aktives Bmi1 aber fast nur im oberen Drittel des gesamten Dünndarms nachweisbar. In den darunter liegenden Abschnitten müssen daher andere adulte Stammzellen verborgen sein, die dort die Zellproduktion und -erneuerung ermöglichen, schlussfolgern die Wissenschaftler.

Der 2007 für Entwicklung der Knockout-Maus-Methode mit dem Medizinnobelpreis geehrte Capecchi hält es für wahrscheinlich, dass Subpopulationen adulter Stammzellen auch in anderen Organen für verschiedene Zelltypen zuständig sein könnten. Die offenbar sehr vielfältige Gestalt von adulten Stammzellen müsse unbedingt weiter untersucht werden und in Betracht gezogen werden, bevor adulte Stammzellen zur Reparatur von Organschäden therapeutisch eingesetzt werden.

Adulte Stammzellen sind lebenslang teilungsfähige Zellen, die beispielsweise im Knochenmark, im Blut und im Gehirn nachgewiesen wurden und dort die unterschiedlichsten Arten von Ersatzzellen bilden. Sie können allerdings nicht, wie embryonale Stammzellen, in nahezu alle Zelltypen differenzieren. Dafür können sie ohne ethische Probleme Patienten entnommen werden. (jo)
10.06.2008

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 10.06.2008

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