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Ägyptischer Grabfund: Ein Stück trojanischer Krieg auf einer Mumie

Magische Sprüche sollten im alten Ägypten die Toten schützen. Nun fanden sich auf einer rund 1600 Jahre alten Mumie anstelle eines rituellen Texts Zeilen aus Homers »Ilias«.
Zwei antike Mumien in steinernen Sarkophagen, die in einem archäologischen Grabungsort entdeckt wurden. Die Mumien sind in Leinenbinden gewickelt, und ihre Gesichter sind mit goldenen Masken bedeckt. Die Umgebung zeigt sandigen Boden und Steinwände, die auf eine historische Stätte hinweisen.
In Grabkammern aus römischer Zeit in Oxyrhynchos haben Archäologen Mumien entdeckt – und ein Stück Weltliteratur.

Im altägyptischen Oxyrhynchos sind Archäologen an einer außergewöhnlichen Stelle auf Weltliteratur gestoßen: Sie entdeckten auf einer römerzeitlichen Mumie einen Papyrus mit Zeilen aus Homers »Ilias«, dem bekannten griechischen Epos, das vor der Kulisse des trojanischen Krieges spielt. Laut den Grabungsleiterinnen Maite Mascort und Esther Pons von der Universität Barcelona sei bisher kein Fall eines altgriechischen literarischen Textes bekannt, der zwischen die Balsamierungsschichten einer Mumie platziert wurde. Üblich waren Papyri mit magischen oder rituellen Texten.

Den seltenen Fund machten die spanischen Archäologen im Winter 2025/26, als sie in einer etwa 1600 Jahre alten Grabstätte in Oxyrhynchos arbeiteten, dem heutigen Al-Bahnasa, das ungefähr 190 Kilometer südlich von Kairo liegt. Das beschriftete Papyrusfragment lag im Bereich des Unterleibs der Mumie. Die Philologen des Teams identifizierten den erhaltenen Text als Zeilen aus dem zweiten Gesang der »Ilias«; es handelt sich um den sogenannten Schiffskatalog. Darin werden die griechischen Teilnehmer am Krieg gegen Troja aufgezählt, mitsamt ihren Anführern, Kriegern und der Zahl ihrer Schiffe.

Die Fachleute haben in Oxyrhynchos schon häufiger griechische Papyri auf Mumien entdeckt – auch in demselben Körperbereich. Die Einbalsamierer hatten die Texte wohl während der Mumifizierung zwischen die Lagen aus Leinenbinden gelegt. Doch bisher handelte es sich dabei um magische Sprüche oder rituelle Texte, keine Literatur.

Oxyrhynchos ist bekannt für Abertausende Papyri, die Archäologen seit dem Ende des 19. Jahrhunderts aus den Müllhalden der antiken Stadt geborgen haben. Darunter fanden sich Verwaltungsdokumente, Rechnungen, aber auch antike Gedichte, Theaterstücke und Schriftwerke. In den Gräbern des Ortes seien derartige Textgattungen jedoch noch nicht zum Vorschein gekommen. Warum statt magischer Schutzformeln ausgerechnet ein Stück »Ilias« auf der Mumie lag, ist noch unklar.

Nach der Bergung | Der Papyrus lag auf dem Unterleib einer Mumie. Die erhaltenen Zeilen stammen aus dem sogenannten Schiffskatalog der »Ilias«.

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