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News: Älter, nicht schneller

Im allgemeinen nimmt man an, daß Gehirne umso schneller schrumpfen, je älter ihre Besitzer sind. Damit würde das Gehirn eines gesunden 85jährigen schneller an Volumen verlieren als das eines gesunden 65jährigen. Diese Ansicht ist weitverbreitet. Allerdings entspricht sie anscheinend nicht der Wirklichkeit, wie amerikanische Neurologen kürzlich herausfanden.
Jeffrey Kaye, Direktor des Oregon Aging and Alzheimer's Center an der Oregon Health Sciences University und dem Portland Veterans Affairs Medical Center und seine Kollegen untersuchten zunächst gesunde Menschen im Alter zwischen 65 und 95 Jahren. Dann schlossen sie Personen mit Anzeichen von Alzheimer oder anderen Demenzerkrankungen von der Studie aus, da diese Störungen das Gehirn schrumpfen lassen. Die Forscher sonderten weiterhin solche Patienten aus, die an Krankheiten litten, die das Gehirn beeinträchtigen könnten – wie Diabetes, Hypertonie und Schlaganfall.

Die übrigen Versuchspersonen unterzogen sie fortlaufend kognitiven Tests. Probanden, die im Laufe der Untersuchung Anzeichen einer Demenz entwickelten, schieden aus der Studie aus. Die verbleibenden 46 Teilnehmer wurden durchschnittlich fünf Jahre lang beobachtet. Mit Hilfe der Magnetresonanz-Tomographie (Magnetic Resonance Imaging) wurden die Veränderungen im Gehirnvolumen im Verlaufe der Zeit gemessen.

Die weitverbreitete Annahme, daß sich die Zellverluste mit zunehmendem Alter beschleunigen, könnte auf Fehler bei früheren Studien zurückzuführen sein, meint Kaye. An Untersuchungen, die große Unterschiede im Gehirnvolumen von jüngeren und älteren alten Menschen zeigen, waren eventuell viele Probanden beteiligt, die schließlich an Alzheimer erkrankten. Ihr Gehirnvolumen war möglicherweise bereits beträchtlich verringert, auch wenn bis dahin niemand erkannt hatte, daß sie an dieser Krankheit litten, erklärt der Forscher. Bei den gesunden Menschen in Kayes Studie war die Geschwindigkeit des Verlustes an Gehirngewebe gering – im Jahr ein Prozent oder weniger (Neurology, das Magazin der American Academy of Neurology, vom Dezember 1998).

Kayes Ansicht nach hilft das Verständnis der Alterungsprozesse im gesunden Gehirn den Forschern zu verstehen, wie Krankheiten das Gehirn beeinträchtigen. Wenn Personen etwa eine erhöhten Gewebsverlust im Gehirn aufweisen, könnte dies darauf hindeuten, daß sie Demenz entwickeln, erläutert er. So könnten Versuchspersonen für Studien ausgewählt werden, bei denen festgestellt werden soll, ob neue Behandlungsmethoden positive Auswirkungen auf das Gehirn haben. Derzeit ließen sich Behauptungen, daß ein Medikament den Fortschritt der Krankheit im Gehirn verhindert, nicht überprüfen, sagt der Wissenschaftler.

In Kayes Untersuchung wurden Veränderungen des Gesamtvolumens des Gehirns gemessen. Um herauszufinden, was den Verlust an Volumen verursacht, sind weitere Studien nötig, erklärt Kaye. Die Volumenabnahme könnte entweder auf einen Verlust an Neuronen zurückzuführen sein oder auf die Abnahme von Gliazellen, die das Stützgewebe des Gehirns bilden.

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