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Griechenland: Älteste Schrift im mykenischen Tiryns

Bevor die Griechen der Antike das bekannte griechische Alphabet benutzten, gab es mehrere andere Schriftformen. In mykenischer Zeit etwa schrieben die Palastschreiber ihre Urkunden und Lagerlisten in der so genannten Linear B. Archäologen gelang nun der älteste Nachweis für diese Schrift in der mykenischen Stadt Tiryns.

In einem großen Gebäude mit dicken Mauern in der Unterstadt des mykenischen Machtzentrums Tiryns fanden die Forscher des Deutschen Archäologischen Institutes (DAI) unter Leitung von Joseph Maran von der Universität Heidelberg die Reste einer 3300 Jahre alten Schrifttafel. Das nur daumenlange Stück aus ungebranntem Ton bildete einst die obere Ecke eines solchen Dokumentes. Die vier Rillen darauf zeigten den bronzezeitlichen Schreibern, wohin sie ihre Buchstaben und Symbole zu setzen hatten – wie bei einem Schreibheft. Die Umrisse eines leider unleserlichen Schriftzeichens sind nur erahnbar.

Das jetzt gefundene Schriftstück ist nicht das erste, das in Tiryns gefunden wurde, aber es ist das Älteste. Des Weiteren zeigt sein Fundort in der Unterstadt, dass auch hier Menschen lebten, die Zugang zum Palast hatten oder mit dessen Verwaltungsapparat in Berührung kamen.

Bei den Linear B-Texten handelt es sich meist um Verwaltungs- und Lagertexte. Die Schrift verfügte über etwa 90 Silbenzeichen, 160 Zeichen mit Wortbedeutung sowie diverse Zahlzeichen. Erst 1952 – 74 Jahre nach dem ersten Fund einer Linear B-Tafel – gelang den Briten Michael Ventris und John Chadwick die Entzifferung.

Heinrich Schliemann grub als Erster zwischen 1876 und 1885 in Tiryns. Zu mykenischer Zeit war es eines der wichtigsten Machtzentren auf der Peloponnes. Im zwölften Jahrhundert vor Christus zerstörte ein Feuer, vermutlich verursacht durch ein Erdbeben, die stark befestigte Stadt.

Robin Gerst

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